Oldenburg - „Kein Sport“ – Über dieses Motto Winston Churchills kann Wolfgard Voss nur lachen. Ihr Leben ist Sport. Noch immer. An ihre internationale Karriere erinnern viele Schwarzweiß-Fotos. An diesem Freitag feiert Oldenburgs erfolgreiche Olympia-Turnerin ihren 90. Geburtstag. Und die „Fünf-Tibeter“ – eine gymnastische Übung – gehören selbstverständlich auch an diesem Tag dazu. „Sport ist doch Lebensfreude“, sagt die agile Turnerin, von Freunden „Wölfi“ genannt. Sie war „Olympionikin aus Leidenschaft“.
Die Erinnerungen aus dem Jahr 1952, als sie bei den Olympischen Spielen in Helsinki in der Gruppen-Gymnastik den vierten und mit der Mannschaft den fünften Platz erturnte, verblassen ein Leben lang nicht. Zumal sich die erfolgreichen Turnerinnen während der nachfolgenden Jahrzehnte immer wieder getroffen haben – auch einmal in Oldenburg.
Alle hatten sie im Nachkriegs-Deutschland mit viel Disziplin und auch mit viel Begeisterung den Sprung als Beste in den Olympia-Kader geschafft. Schon damals leisteten Mentoren wichtige Aufbauarbeit. „Wölfi“ Voss vertraute dem VfL-Vorsitzenden Hans Lübken und ihrem OTB-Trainer Wilhelm Ohlhoff. Bei der Weltmeisterschaft in Rom (1954) landete sie auf dem 7. Platz, zuvor war sie in Japan während einer Schauturnier-Reise unterwegs gewesen. doch nach der WM 1954 machte sie Schluss, denn sie wollte auch eine Familie.
Die drei Söhne und eine Tochter sind inzwischen längst erwachsen und feiern heute den Ehrentag mit ihrer Mutter. Doch unvergessen ist sie auch bei den vielen Schülerinnen, die sie unterrichtete: zunächst an der Cäcilienschule, nach 1967 am Graf-Anton-Günther-Gymnasium. Schon damals war sie immer in Bewegung, kam im schnittigen lindgrünen BMW angefahren und leitete alle mit sanfter, aber durchaus bestimmter Hand zu guter Leistung. „Ich habe heute noch zu vielen meiner Schülerinnen Kontakt“, erzählt sie.
Sport war für sie jedoch längst nicht nur Turnen, sondern sie spielte Tennis, Hockey und Volleyball. Auch Leichtathletik machte ihr viel Spaß. Und so fand sie auch Wege, nach der Pensionierung weiterzumachen. „Ich wusste vorher gar nicht, was man alles mit einem Stuhl machen kann“, berichtet sie über ihre Stuhlgymnastik für Senioren. „Das hat uns allen viel Freude gemacht“, sagt sie rückblickend. Heute bleiben die fünf Tibeter als gymnastische Dehnübungen. „Man muss das Leben nehmen, wie es ist und das Beste daraus machen“, lautet ihre Philosophie.
