Löningen - Es war die Deutsche Cross-Laufmeisterschaft, aber auch der olympische Gedanke war am Samstag in Löningen gegenwärtig. Obwohl er als Letzter des Laufs M-50/M-55 ins Ziel gekommen war, freute sich Ferdinand Dieckmann (VfL Löningen): „Ich bin Hobbyläufer und wollte unbedingt vor meiner Haustür zum ersten Mal an einer Deutschen Meisterschaft teilnehmen“, sagte der 56-Jährige. „Ich bin lange alleine gelaufen, das ist hart. Umso mehr freut mich, dass ich angekommen bin.“

Dieckmann und fast alle anderen Läufer hatte es nach dem Zieleinlauf erst einmal zu Anke Peters und Monika Meyer gezogen. Die beiden Mütter von VfL-Athleten, die selbst Läuferinnen sind, schenkten an die erschöpften Sportler Zitronentee und Wasser aus – aber vor allem Zitronentee. „Trotz der Erschöpfung sind die Sportler immer freundlich und höflich“, wussten sie nur Gutes über die Teilnehmer zu berichten. Und eine Empfehlung gaben sie auch noch ab: „Zitronentee, also etwas Warmes mit etwas Süßem drin, tut nach einem harten Lauf gut.“

Richtig gut tat derweil Stefan Beumker, dem ersten Vorsitzenden des VfL Löningen, dass die VfL-Sportlerinnen bei den Meisterschaften selbst Medaillen abräumten. „Ist das nicht klasse?“, fragte er, und genau das war es.

Der Cheforganisator, „Mr. Cross-DM“ Armin Beyer, war derweil drauf und dran, mehr Kilometer abzureißen als die DM-Teilnehmer. War er eben noch in der einen Ecke der Sportanlage an der Ringstraße, war er wenig später schon wieder an der gegenüberliegenden Ecke. Der ehemalige Mittelstreckler schien überall gleichzeitig zu sein.

Genau am richtigen Ort war auch wieder Georg Diettrich. Der routinierte Top-Athlet (LC Wechloy) machte am Samstag sein persönliches Löninger Tripple perfekt. 2011 und 2014 hatte er bereits im Hasetal Deutsche-Meister-Titel gefeiert, diesmal gewann er die M-45-Meisterschaft. Und nicht nur das: Er siegte im gemeinsamen Lauf der M-35/M-40 und M-45, womit er zehn Jahre jüngere Athleten hinter sich ließ. Vielleicht, weil er erst am Morgen nach Löningen gekommen war: „Zu Hause schläft es sich einfach am besten.“

Weit weg von zu Hause hatte dagegen Günther Scheefer geschlafen. Der Trainer der LG Region Karlsruhe war am Freitag nach dem Schultag seiner Schützlinge mit einer 22-köpfigen Gruppe in drei Kleinbussen angereist. Durch das „Stauland“ Deutschland hatten sie etwa acht Stunden gebraucht. In Löningen wohnte die Gruppe wegen ihrer Größe dann gleich in zwei Hotels. Scheefer war bereits 2014 dabei und ist gerne zurückgekommen: „Die Strecke und die Organisation sind toll“, schwärmte er. Der „Ausflug“ war aber auch nicht billig: „Da ist man schon im vierstelligen Bereich. Wir bringen das durch die Einnahmen unserer eigenen Laufveranstaltungen und Sponsoren auf.“

Dass Vitalität im Alter mit nichts zu bezahlen ist, weiß dagegen Werner Beecker ganz genau. Der 84-Jährige (LC Wuppertal) war der älteste Teilnehmer und beeindruckte die jüngeren Läufer. Während seiner Ehrung in der Sporthalle bekam er Standing Ovations. Zu recht: Der M-85-Läufer wäre mit seiner Zeit bei „den Jungspunden“ der Klasse M-80 Dritter geworden.

Und wie schafft man das: „Ich laufe jede Woche dreimal 15 Kilometer mit Tempoeinheiten und fahre 50 Kilometer mit dem Fahrrad“, erzählt Beecker, der noch viel mehr aus seinem ereignisreichen Leben zu berichten hätte. So ist er früher als Radrennsportler gegen Rudi Altig gefahren – der war allerdings etwas besser.

Besser als die Cross-DM in Löningen geht es allerdings kaum mehr. Das konnte auch der ehemalige Innen- und Sportminister Niedersachsens, Uwe Schünemann (CDU), bestätigen. Das Präsidiums-Mitglied des Niedersächsischen Leichtathletik-Verbands, das demnächst auf Langzeit-Präsidentin Rita Girschikofsky folgen könnte, machte klar: „Das war eine Topveranstaltung, die mit viel Herzblut durchgeführt wurde.“ Punkt. Aus. Ende.

Steffen Szepanski
Steffen Szepanski Redaktion Münsterland (Lokalsport)