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Bungee-Springen In Oldenburg Kurzer Flug zwischen Zittern und Freudentränen

Kim Kristin Petermann

Oldenburg - „Du machst heute also den Probesprung“, begrüßt mich der Veranstalter des Oldenburger Bungee-Jumping-Events, Andre Pelzer, auf dem Pferdemarkt-Parkplatz. Moment! Davon hat mir aber keiner was gesagt! Hilfesuchend schaue ich mich zu Fotograf Christian Ahlers um, doch der kann mir nicht helfen. Dazu hat er selbst viel zu großen Respekt. Unbeeindruckt fährt Pelzer fort: „Das ist aber nett von Dir. Gestern ist uns die Gondel gleich zweimal ausgeharkt, das war kein schöner Anblick hinterher.“ Puh, er macht nur Witze, Glück gehabt! Trotzdem – Mut machen scheint nicht unbedingt seine Stärke zu sein.

Kribbeln im Bauch

Bevor es losgeht, habe ich noch einen Moment Zeit, mich mit anderen Springern zu unterhalten. Auch Kevin Samide hat sich, genau wie ich, noch nie kopfüber in die Tiefe gestürzt. „Andre und ich kennen uns. Er hat mich quasi gezwungen, hier mitzumachen“, erzählt er. Da geht es mir ähnlich, ich werde nämlich sicher nicht schreiben, dass ich mich nicht getraut habe! Aber wenigstens bin ich nicht die Einzige mit ein bisschen Kribbeln im Bauch.

Dann geht es auch schon auf die Waage und mir wird der Gurt angelegt. Meine Freundin Jasmina Meyer grinst mich mit einer Mischung aus Mitleid und purer Schadenfreude an. Auch nicht unbedingt beruhigend, dabei habe ich sie doch extra mitgenommen, damit ich nicht so viel Angst habe. „Ich würde sowas nie machen, dafür bin ich ein zu großer Angsthase“, lacht sie, „aber wenn irgendetwas schief geht, kümmere ich mich um Deine Beerdigung.“

Zeit, mich zu ärgern, bleibt nicht, denn ich werde zur Gondel gewunken, gesichert und dann geht es auch schon nach oben. Meine Hände klammern sich an das Geländer, und ich bekomme gewaltig weiche Knie. Ich schaue Fotograf Christian an. Der ist ja noch weißer um die Nase als ich! „Ist ja toll, wie weit man gucken kann“, versucht er seine Nervosität zu überspielen. „Was? Ach so, ja“, druckse ich herum und schaue nach unten. Ist das tief!

„Du nimmst jetzt die Hände nach oben und machst einen Kopfsprung, wie im Schwimmbad. Ganz einfach!“, erklärt mir Thorsten Krüger von Bungee-Berlin. Alles klar, wie von einem 65 Meter hohen Beckenrand, krieg ich hin. Dann wird es still. Ich pule meine Finger aus dem Geländer. Das Seil zerrt an meinen Füßen. Ich atme ein, breite langsam die Arme aus und schaue nach vorne. Dann lasse ich mich fallen – nein, ich fliege! Ich fliege dem Boden entgegen, aber ich habe keine Angst. Jasmina steht unten und jubelt, ich selbst bekomme keinen Ton heraus. Schließlich bremst mich das Seil und ich muss doch noch schreien: „Ist das geil!“

Freudentränen

Als ich wieder auf dem Boden bin, zittern meine Hände und ich kann gar nicht aufhören zu lachen. Mir laufen ein paar Freudentränen übers Gesicht. Thorsten Krüger zeigt sich beeindruckt: „Ich habe ja mit vielem gerechnet, aber nicht damit, dass Du ohne jegliche Diskussion einfach springst.“ Warum ich das gemacht habe, weiß ich ehrlich gesagt auch nicht. Aber als ich schließlich aufstehe, spüre ich, dass ich gewachsen sein muss.

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