Sande - Falls es noch eines Beweises bedurfte, wie ausgeglichen und stark die Eishockey-Regionalliga Nord in dieser Saison besetzt ist, dann hat ihn gleich der erste Spieltag der Playoffs am Freitagabend eindrucksvoll geliefert. So kassierte der Hauptrunden-Zweite Beach Devils Timmendorfer Strand überraschend eine 4:7-Heimpleite gegen den Siebten Weserstars Bremen. Auch der Adendorfer EC konnte sich trotz Heimvorteils vor über 1300 Zuschauern nur mit Ach und Krach und 4:3 nach Verlängerung gegen die Salzgitter Icefighters durchsetzen. Selbst Außenseiter Hamburger SV schlug sich sehr wacker beim Hauptrunden-Meister Harzer Falken, glich im ersten Drittel sogar zum 2:2 aus, ehe sich die Rautenträger am Ende doch noch mit 2:5 in Braunlage geschlagen geben mussten.
Perfekter Start
Am Samstagabend komplettierte der ECW Sande den Auftakt des Viertelfinales im Heimspiel gegen die Harsefeld Tigers, gegen die man in der Vorwoche auswärts noch mit 1:3 den Kürzeren gezogen hatte. Beim Wiedersehen vor 420 Zuschauern machten es die durch den Ausfall von drei Leistungsträgern ersatzgeschwächten Jadehaie besser. Vor allem dank eines starken ersten Drittels setzten sie sich mit 6:3 (4:0, 0:2, 2:1) durch und gingen in der Best-of-three-Serie mit 1:0 in Front.
Überraschend boten die Sander dabei Bayley Kubara auf, der wegen einer Knieverletzung vor zwei Wochen fast vor dem Saisonaus gestanden hatte, ehe ein Arzt unter der Woche doch grünes Licht für einen Einsatz gab.
Und die Jadehaie hatten sich richtig was vorgenommen, agierten von Beginn an hellwach und bissig und ließen den Puck flüssig durch die eigenen Reihen laufen. Auch die Haie-Fans präsentierten sich in Playoff-Stimmung, feuerten ihr Team lautstark an. Bereits nach 30 Sekunden hatte Tim Maier den Führungstreffer auf der Kelle, scheiterte aber aus kurzer Distanz. Der ECW baute viel Druck auf, so dass sich die Harsefelder kaum aus ihrer Hälfte befreien konnten. Folgerichtig brachte Marian Dejdar die Hausherren nach einem Solo aus der eigenen Hälfte im Nachschuss mit 1:0 in Front (6.). Nur drei Minuten später stellte Artem Lesnikov auf 2:0 (9.).
Das 3:0 markierte ausgerechnet Kubara. Der australische Verteidiger ließ sich danach per Freudensprung an die Plexiglasscheibe vor der Haie-Fankurve feiern (19.). Und damit nicht genug: Per schönem Schlenzer fast von der blauen Linie erhöhte Evgeniy Asmolski auf 4:0 (20.).
Gäste holen auf
Den besseren Start ins zweite Drittel erwischten allerdings die Tigers, die das Tempo deutlich erhöhten. So hatte ECW-Goalie Maksims Cmutovs nun mehr zu tun. Gegen einen von Noam Sherf abgefälschten Schlagschuss war er allerdings machtlos – 4:1 (23.). Etwas später verkürzte Sherf sogar auf 4:2 (26.), weil die Haie-Defensive nicht schnell genug umgeschaltet hatte.
Danach wurde es ruppiger, was mehrere Strafminuten auf beiden Seiten zur Folge hatte. Dabei überstanden die Gastgeber auch eine doppelte Unterzahl. Knapp sieben Minuten vor Drittelende wurde Vitalijs Jache gefoult, krachte gegen das Gästegehäuse und riss dieses aus der Verankerung. Weil das Tor danach repariert werden musste, wurde die Drittelpause vorgezogen.
Cmutovs auf Posten
Direkt nach Wiederbeginn konnten die Gastgeber eine doppelte Überzahl nicht nutzen. Danach drängte Harsefeld auf den Anschlusstreffer, doch Cmutovs war beim mehreren Torschüssen auf dem Posten.
Nach Ablauf der Restspielzeit aus dem zweiten Durchgang ging es ohne große Unterbrechung direkt ins Schlussdrittel, in dem sich beide Teams ein Duell auf Augenhöhe lieferten. Als ein Fernschuss von Eriks Zubulis an Freund und Feind vorbei zum 5:2 im Harsefelder Tor einschlug (45.), schien die Vorentscheidung gefallen. Doch als die Sander in der 52. Minute den Puck nicht aus der Gefahrenzone bekamen, verkürzte Sherf mit seinem dritten Treffer des Abends auf 5:3.
Knapp drei Minuten vor Spielende gingen die Tigers „All In“ und nahmen ihren Torhüter zugunsten eines weiteren Feldspielers vom Eis. Dies bestrafte ECW-Kapitän Sergejs Piskunovs bei einem Konter auf Zuspiel von Dejdar mit einem Schuss ins leere Tore zum 6:3-Endstand (58.).
Bereits an diesem Sonntagabend wird die Viertelfinal-Serie um 19.30 Uhr mit Spiel zwei in Harsefeld fortgesetzt. Gewinnen die Jadehaie auch im Landkreis Stade, stehen sie bereits im Halbfinale. Gleichen die Tigers die Serie indes mit einem Heimerfolg aus, folgt am kommenden Samstag (19.30 Uhr, Eishalle Sande) das dann alles entscheidende Spiel drei.
Stimmen zum Spiel
Nick Hurbanek (Trainer ECW Sande): Wir sind sehr gut gestartet. In der ersten Drittelpause haben wir noch angesprochen, dass wir angesichts der 4:0-Führung jetzt nicht den Schlendrian reinkommen lassen dürfen. Aber leider ist es genauso gekommen. Wir haben unsere Aufgaben nicht mehr gemacht, hatten keine Spannung mehr. Immerhin haben wir uns wieder gefangen und es im dritten Drittel ein bisschen besser gemacht. Allerdings hatten wir auch da noch zu viel Chaos vor dem Tor, das hat mich schon geärgert.
Jan Bönning (Trainer Harsefeld Tigers): Sande hat das Spiel im ersten Drittel gewonnen, während es bei uns da an allem gefehlt hat, was man in den Playoffs auf dem Eis braucht. Ob es das Tempo war, die Körperlichkeit, der Wille, die Schüsseblocks. Ab dem zweiten Drittel waren wir dann die bessere Mannschaft, hatten viele gute Spielanteile, so wie wir es eigentlich über alle drei Drittel angehen wollten. Und hätten wir das auch im Anfangsdrittel geschafft, dann hätte dieses Spiel trotz der großen individuellen Qualität von Sande auch anders ausgehen können.
ECW Sande - Harsefeld Tigers 6:3 (4:0, 0:2, 2:1)
Tore 1:0 Dejdar (6. Minute/Vorlage Wellmann), 2:0 Lesnikov (9./Jache, Balakuns), 3:0 Kubara (19./Dejdar, McPherson), 4:0 Asmolski (20./Ratajczak), 4:1 Scherf (23./Jesgarsch, Kragh), 4:2 Scherf (26./Perone, Steffens), 5:2 Zubulis (45./Asmoslki, Galwas), 5:3 Scherf (52./Perone), 6:3 Piskunovs (58./Dejdar).
Strafminuten 16 Sande - 12 Harsefeld.
Zuschauer 420.
Playoff-Viertelfinale, 1. Spiele Harzer Falken - Hamburger SV 5:2, Beach Devils Timmendorfer Strand - Weserstars Bremen 4:7, Adendorfer EC - Salzgitter Icefighters 4:3 n.V., ECW Sande - Harsefeld Tigers 6:3.
