ELMENDORF - An dieses Ereignis erinnere ich mich ganz genau. Mein Vater hatte am Freitag, den 16. Februar 1979, seinen 70. Geburtstag, und den wollte er zu Hause mit seiner Familie und der Verwandtschaft feiern. Alles war geplant: Was für Kuchen und wie viel wir backen, welches Essen es abends geben sollte und wann und wie viel wir einkaufen müssen. Nur das Wetter, das konnte keiner vorher einplanen.
Daheim völlig eingeschneit
Von meiner Mutter und uns Kindern sollte am Freitag, dem Geburtstag, als Überraschung eine Annonce mit Foto von Vater in der NWZ erscheinen. In der Nacht zu Dienstag fing es dann an stark zu schneien. Am Morgen war schon alles zugeschneit und es hörte nicht auf zu schneien. Durch den Wind gab es teilweise starke Verwehungen und es schneite und schneite. Man kam am Morgen kaum aus der Haustür und dann mussten wir uns erstmal einen kleinen Weg bis zur Straße freischaufeln. Es fuhr kein Bus und kein Auto und es schneite immer weiter.
Bis die Räumfahrzeuge es schafften, die Straßen frei zu räumen, das dauerte. An der Kreuzung Elmendorf/Dreibergen, von der Feuerwehrzentrale bis zum Cafe Seerose, war die Straße von Schneeverwehungen ganz dicht. Nun war es schon Mittwoch und es bestand für Autos ein absolutes Fahrverbot. Wir mussten aber für den Geburtstag einkaufen. Was tun? Es blieb meinem Mann und mir nichts anderes übrig, als mit dem Schlitten unseres Sohnes loszufahren, und bei unserem Kaufmann Otten in Dreibergen einzukaufen.
Mit Schlitten zum Einkauf
Wir banden unsere Einkaufstaschen auf dem Schlitten fest und dann zogen wir los. Das war ganz schön anstrengend, durch den Schnee zu stapfen. Als wir bei Otten ankamen standen dort schon etliche Schlitten vor dem Laden. Es hatten mehrere Leute so wie wir gedacht. Wir bekamen unsere Waren, welche wir für die Feier benötigten, aber später machten viele Leute Hamsterkäufe und dann wurden, weil die Lieferwagen ja nicht mehr kommen konnten, alle Waren knapp.
Wir packten all unsere Sachen in Taschen und Kartons, schnallten sie mit Gurten auf dem Schlitten fest und voll bepackt zuckelten wir die circa 1000 Meter mit dem Schlitten wieder nach Hause. Es war sehr anstrengend und man musste verdammt gut aufpassen, wo man lief, denn einen Graben oder Stacheldraht konnte man nicht mehr erkennen. Aber schön sah die Landschaft auch aus. Wenn die Sonne schien, dann glitzerte der Schnee wie lauter kleine Diamanten. Als wir zu Hause in Hösjekamp ankamen waren mein Mann und ich total durchgeschwitzt.
Feier ohne Gäste
In der Nacht zum Freitag, den 16. Februar 1979, schneite es wieder doller. Nun war der 70. Geburtstag meines Vaters. Zuerst war Schneeschaufeln bis zum Postkasten angesagt, um zu schauen, ob die Zeitung auch da war. Aber sie war nicht gekommen und somit war unsere erste Überraschung für Vater schon mal misslungen und er konnte seine Geburtstagsannonce nicht sehen. Dann kam die nächste Enttäuschung: Bedingt durch das Fahrverbot konnten seine Geburtstagsgäste nicht kommen. Mein Vater meinte dazu: „Solch einen 70. Geburtstag kann ja auch nicht jeder feiern. Das war mal etwas ganz Besonderes!“
Am Sonnabend wurde die NWZ schließlich wieder ausgeliefert, allerdings nur bis nach Rostrup. Von dort hat mein Mann sie für uns und die Nachbarn in Hösjekamp abgeholt. Mein Vater hat sich aber trotzdem über die verspätete Annonce in der Zeitung gefreut.
