ELSFLETH - Vom Wind zerzaust, von der Sonne verwöhnt, von den Schiffen und vom Törn zur Kaiserschleuse nach Bremerhaven begeistert: So verließen am Sonnabend an der Elsflether Kaje die Mitreisenden bei strahlendem Sonnenschein die „Lissi“ und „ihre kleine Schwester – die `Eye oft the wind`“, um kurz darauf im festlich geschmückten Zelt den 100. Geburtstag der Brigantine zu feiern .
An Komplimenten für die „rüstige alte Dame“ mit den charakteristischen braunen Segeln fehlte es bei den Festrednern an diesem Abend nicht. „Wie eine Frau ohne Alter, ist sie auch im 100. Lebensjahr begehrenswert und es mangelt ihr nicht an Liebhabern“, freute sich der Eigner des Seglers, Ronald Herkert, „sie ist heute fast noch schöner, als bei ihrem Stapellauf im Jahr 1911. Dieses Schiff hat eine Seele und ist mit einem unbändigen Lebenswillen ausgestattet.“
Ehemaliger Absolvent
Herkert, ehemaliger Visurge und Absolvent der Elsflether Seefahrtschule, schilderte den Gästen das abenteuerliche Schicksal der „Eye oft he wind“, die auf der Hammelwarder Lühring Werft als zweimastiger Gaffelschoner „Friedrich“ vom Stapel lief.
Im Lauf der Jahrzehnte wurde der Segler mehrfach „umgeriggt“, änderte Flaggen und Heimathäfen, segelte als Yacht und als Filmschiff und auch Prinz Charles hatte ihr Ruder schon in der Hand.
Grüße aus England
„Prinz Charles war eingeladen“, so schmunzelte Herkert, „leider konnte er wegen familiärer Verpflichtungen an unser Feier nicht teilnehmen, er schickte aber einen Gruß aus dem Buckingham Palast“.
Auch Schauspieler Jeff Bridges, der bei Dreharbeiten das Schiff schätzen lernte, hatte einen Glückwunsch geschickt: „Sailing on the `Eye of the wind` was a thrill!“ (Segeln auf der `Eye of the wind` war aufregend).
Segelschiffe dieser Art trotz großen Kostendrucks in Fahrt zu halten, sei ein wichtiges Stück Schifffahrtsgeschichte, zog Bürgermeister Diedrich Möhring Parallelen zwischen der Elsflether „Lissi“ und der „Eye of the wind“ und Kapitän Horst Werner Janssen mochte das gerne bestätigen: „Alte Schiffe und junge Weiber kosten manchmal eine Menge Geld. Ich hoffe, dass die `Eye of the wind` recht bald den Namen Elsfleth als Heimathafen am Heck trägt.“ Die Festrede hielt der ehemalige Gorch-Fock-Kommandant Immo von Schnurbein, für die musikalische Begleitung sorgten der Visurgen-Shanty-Chor unter der Leitung von Werner Schwarz und das lokale maritime Duo „Rudi und Herr Schwarz“.
Am Sonntag kamen dann hunderte Besucher an die Nordkaje zum Jazz-Frühstück – danach besichtigen sie bei bestem Wetter die beiden stolzen Schiffe, die wie Schwestern an der Kaje lagen.
