ELSFLETH - Unbeantwortete Briefe an den Bürgermeister, niemals von den Empfängern zur Kenntnis genommene Schreiben an Ratsmitglieder: Der Vorstand des TuS Elsfleth ist leidgeprüft, wenn es um den Dialog mit den Vertretern der Elsflether Kommunalpolitik geht. Seit Jahren müssen sich die Fußballer des 300-Mitglieder Vereins mit einem Dauer-Provisorium herumschlagen – der 14 Jahre alte Belag des Kunstrasen Sportplatzes an der Peterstraße ist abgenutzt, platzt an den Nähten auf und wirft Wellen vor den Toren.

Schwere Stürze und Verletzungen können jederzeit passieren, sagt Hergen Speckels, 2. Vorsitzender des Vereins. Nur mit andauernden Flickarbeiten konnte der TuS den Trainings- und Spielbetrieb überhaupt noch aufrechterhalten. Speckels: „Wie sollen wir als Vorstand denn noch planen? Und kann sich der Stadtrat erlauben, 170 Jugendliche, so groß ist unsere Jugendabteilung, auf die Straße zu setzen?“

Drei Wochen vor der Landtagswahl scheinen sich die Chancen des TuS, bei der Politik Gehör zu finden, rapide zu verbessern. Der CDU-Landtagsabgeordnete Björn Thümler jedenfalls hat versprochen, in Hannover die Förderfähigkeit einer Kunstrasen-Reparatur nach dem Landes-Sportstättensanierungsprogramm auszuloten. Laut Thümler wäre bei einem positiven Bescheid eine immerhin 30-prozentige Kostenübernahme realistisch – über 80 000 Euro bei geschätzten Gesamtkosten von einer Viertelmillion. Der TuS-Vorstand geht sogar davon aus, die Kunstrasenplatz-Erneuerung mit entsprechendem Arbeitseinsatz und Eigenleistungs-Anteil für 170 000 bis 180 000 Euro hinzukriegen. Laut Björn Thümlers Kenntnisstand muss bis Ende März dieses Jahres ein Förderantrag gestellt werden, wolle man im Jahr 2009 eine Mittelzuweisung erhalten.

Es ist ein beredtes Schweigen der Elsflether Politik in Bezug auf den Sportplatz Peterstraße. Das unlängst vorgestellte Schul- und Sportstättenstruktur-Gutachten lässt schließlich keinen Zweifel daran, dass von den Ratsfraktionen der „große Wurf“ favorisiert wird: der Neubau einer Grundschule – und eben auch eines Sportplatzes – auf einem stadteigenen Gelände jenseits von „Lidl“ und „Aldi“, zwischen Stadthalle und HS/RS.

Hierfür, da ist sich zum Beispiel der CDU-Ratsherr Joachim Wiesensee sicher, könne man mit sehr viel größerer Wahrscheinlichkeit Fördergelder erhalten als für die Reparatur des abgängigen Kunstrasens an der Peterstraße. Außerdem, so Wiesensee, habe der Sportplatz am Standort Peterstraße Nachteile, die man nicht unter den Tisch fallen lassen dürfte: Lärmemissionen zur benachbarten Wohnbebauung, zu wenig Parkplätze und eine große Entfernung zu den beiden derzeitigen Grundschulen Alte Straße und Lienen. Zudem müsse man einiges durchrechnen, so Wiesensee. Zum Beispiel, ob sich ein neuer Sportplatz durch Veräußerung der Sportplatz-Fläche an der Peterstraße mitfinanzieren ließe.

Dass der Landessportbund Fördergelder hat, ist auch dem TuS Elsfleth bekannt. Wiederholt hat der Verein laut Hergen Speckels die Stadt darüber in diversen Schreiben informiert und um wohlwollende Prüfung gebeten. „Aber es ist ja nichts passiert“, sagt der 2. Vorsitzende.

Im März sollen weitere provisorische Reparaturen den TuS über die Saison retten.