Emden - „Mein rechtes Knie ist 41 Jahre alt, mein linkes glaube ich auch“, sagt Christoph Kolodziej, der Jüngste im Bunde der neu formierten Gehfußballer-Truppe von FT 03 Emden. Mit dieser Aussage stand er kurz vor der ersten Trainingseinheit der „Silberrücken 03“ weitestgehend alleine da. Der Älteste im Bunde ist 73 Jahre alt. Neue Hüften, zahlreiche Kreuzbandrisse und kaputte Knie halten diese Emder „Oldies“ jedoch nicht vom Kicken ab – im Gegenteil. Sie haben kurzerhand den „Walking Football“ nach Emden gebracht. Die erste Trainingseinheit war ein voller Erfolg.
Ins Rollen gebracht hat den Gehfußball bei FT 03 Emden Vereinsmitglied Richard Weber. Gemeinsam mit Rainer Baar stellte der 61-Jährige die Idee im Rahmen einer Vorstandssitzung vor. Und sie fand großen Anklang. 16 Mitglieder verzeichnet die im Anschluss erstellte WhatsApp-Gruppe bereits. „Das Interesse ist groß“, sagt auch der FT-Vorsitzende Ralf Eiklenborg. Und das hat einen bestimmten Grund: „Viele Fußballer hören verletzungs- oder altersbedingt auf – und dann verlierst du die.“ FT 03 Emden möchte dieser Entwicklung mit dem neuen Gehfußball-Angebot entgegenwirken. „In Ostfriesland gibt es das, glaube ich, noch gar nicht“, sagt Eiklenborg.
Seit Jahrzehnten raus
Normales Fußballspielen ist auch für Weber nicht mehr möglich. „Ich habe ein neues Knie bekommen und war dann nur noch als Trainer aktiv.“ Der Ideengeber hat 1970 bei Rot-Weiß Emden gespielt, ab 2000 für FT 03, bevor er 2008 mit dem Fußballspielen aufhören musste. „Wir haben viele dabei, die schon Jahrzehnte raus sind“, sagt Eiklenborg, der die Leitung der ersten Trainingseinheit übernahm. Dank Gehfußball steht auch Weber wieder auf dem Platz. Und zwar in gleich doppelter Rolle – als Spieler und Schiedsrichter.
Das neue Regelwerk
Gespielt wird im Modus sechs gegen sechs. Der Ball darf beim Gehfußball nicht höher als hüfthoch gespielt werden. „Vor allen Dingen darf nicht gerannt werden“, erklärt Eiklenborg. Ein Fuß muss in der Vorwärtsbewegung immer am Grund sein. Harte Zweikämpfe sind ausgeschlossen. „Du kannst dabei nicht richtig zur Sache gehen. Es ist quasi körperloser Fußball“, ergänzt Eiklenborg. Ecken werden per Hand eingerollt, genauso wie Einwürfe. „Und es gibt kein Abseits.“ So sind die Regeln vorgegeben, die auch auf der NFV-Seite im Internet zu finden sind. „Die Regeln können aber natürlich auch variabel gestaltet werden“, ergänzt Eiklenborg. Gesagt, getan. Mitten in der ersten Trainingseinheit entschieden sich die Silberrücken 03 kurzfristig dafür, die Ecken doch mit dem Fuß zu spielen.
Ausgelassene Stimmung
Neben dem ersten Abtasten des neuen Regelwerkes stand vor allem der Spaß an der Sache im Vordergrund. „Der Verlierer gibt ein Bier aus“, schallt es von der einen Seite des Platzes. Aus der anderen Ecke ertönt ein Pfiff von Weber, nachdem Kolodziej gerade zum Joggen angesetzt hatte. „Das sind die 41-Jährigen, die sind immer so heißblütig“, scherzt ein Mitspieler nach dem begangenen Regelverstoß des Jüngsten. Die Stimmung während der ersten Einheit ist ausgelassen. Auch die obligatorische Frage „so langsam muss doch auch mal Schluss sein, oder nicht?“, durfte nach gerade einmal 15 gespielten Minuten natürlich nicht fehlen. Sie sorgte für reichlich Gelächter auf dem Platz.
5000 Schritte im Schnitt
Beim anschließenden Abschlussgetränk zogen die FT 03 Silberrücken, deren Logo der Emder Künstler Eilert Engelberg entworfen hat, ein positives Fazit. „Allen hat die Trainingseinheit viel Spaß gemacht. Eine Fortsetzung ist garantiert“, versichert Eiklenborg. Jeder Spieler hat neben dem Spaßfaktor auch noch etwas für die Gesundheit und die Fitness getan. Der digitale Schrittzähler erbrachte für die einzelnen Kicker eine Leistung von 5000 Schritten im Schnitt. Bei wem jetzt auch das Interesse für den Gehfußball geweckt wurde, der darf sich gerne an die Verantwortlichen von FT 03 Emden wenden. „Wir freuen uns über jedes neue Mitglied. Bei uns sind alle herzlich willkommen“, ergänzt Eiklenborg.
