Oldenburg - Es ist ein Thema, das emotionalisiert – ob man nun dafür oder dagegen ist. Die Diskussion um ein neues Stadion für Oldenburg wird seit Wochen, Monaten, Jahren geführt. Mit dem Aufstieg des VfB Oldenburg in die 3. Fußball-Liga hat sie weiter Fahrt aufgenommen. Fünf Tage bevor der Rat der Stadt Oldenburg am kommenden Montag einen Grundsatzbeschluss über eine mögliche neue Arena an der Maastrichter Straße fällt, kamen am Mittwochabend in der sechsten Ausgabe der „Nordwestkurve - der VfB-Talk“ im Oldenburger Lambertihof noch einmal namhafte Gäste zusammen – und setzten die intensive Debatte sehr emotional fort.
Fußball wichtig für Stadt
„Diese Entscheidung ist existenziell für den Profifußball in Oldenburg. Wir bereiten gerade unsere Lizenzierungsunterlagen für den DFB für die nächste Saison vor, da ist der positive Grundsatzbeschluss ein wichtiges Puzzlestück, das noch fehlt“, betonte VfB-Geschäftsführer Michael Weinberg gleich zu Beginn. „Es ist unstrittig, dass es am Marschwegstadion keine Zukunft in der 3. Liga geben wird und die Maastrichter Straße der richtige Standort für eine neue Arena ist“, sagte Oldenburgs Oberbürgermeister Jürgen Krogmann, der als bekanntester Befürworter eines Stadionneubaus gilt – und genau dazu etwas loswerden wollte: „Viele haben scheinbar den Eindruck, ich möchte mich hier mit dem Neubau verewigen. Mir geht es aber darum: Fußball ist wichtig für eine Stadt wie Oldenburg, er trägt auch zur Identität einer Stadt bei. Oldenburg wird aktuell oft in der ARD-Sportschau genannt, das ist für eine Stadt von großem Interesse.“
Pohland vs. Krogmann
Direkt an Krogmanns Seite saß einer, der einem Neubau wesentlich kritischer gegenübersteht: Ulrich Pohland. Das Vorstandsmitglied für Vereins- und Organisationsentwicklung im Stadtsportbund trat als Vertreter der eingetragenen Vereine „mit 42 000 Mitgliedern in Oldenburg“ auf und meinte, dass es „Leuchttürme“ geben muss, um über den Spitzensport Mitglieder für den Breitensport zu gewinnen. Einen Neubau sieht er aber sehr skeptisch. „Ich bin nicht gegen ein neues Stadion, sondern gegen das Modell und den gesamten Ablauf“, sagte Pohland. Zudem: Er sei selbst Bauingenieur, könne die Kosten gut abschätzen und halte sie für immens. „Was ich auch nicht verstehe, ist diese Aufschieberei. Alle Fakten liegen auf dem Tisch. Warum fällen wir nur einen Grundsatzbeschluss im Februar? Was ändert sich danach?“, fragte Pohland in Richtung von Krogmann – ohnehin lieferten sich die beiden den heißesten verbalen Schlagabtausch. Krogmann entgegnete, es gehe im Februar um „ein Signal“, das der VfB für seine Lizenz für die kommende Saison brauche. Erst bis Oktober gehe es dann in die Details. Es brauche eine Planungsgesellschaft, einen Architekten, einen Entwurf, um die Kosten zu ermitteln, „um dann eine endgültige Entscheidung zu treffen“, erklärte Krogmann und stichelte in Richtung Pohland: „Sie haben Argumente, die das Projekt verhindern sollen, und zeigen keine Lösungen auf. Ich wundere mich sehr, dass sie als Vertreter des Stadtsportbundes die Stadt dafür kritisieren, dass sie Sportanlagen bauen möchte. Das dürfte einzigartig in Deutschland sein.“
Immense Kosten
Ganz klar gegen einen Stadionneubau positionierte sich auch Gesa Gerding – und das, obwohl sie im VfB Fußball spielt und Mitglied im Verein ist. „Mir fehlt im gesamten Verlauf die Bürgerbeteiligung. Auch der Klimaschutz ist außen vor. Ich sehe auf den Bildern schöne Photovoltaikanlagen, die sind in den angegebenen Kosten noch gar nicht enthalten. Es gibt Krisen an allen Ecken und Enden, Inflation, Krieg – und alle sollen sparen. Es kommen immense Kosten auf die Kommunen in den kommenden Jahren zu“, nannte Gerding ihre Argumente gegen einen Neubau.
„Es wäre eine Sensation, wenn es am Montag keinen Beschluss pro Neubau gibt. Die Parteien haben sich positioniert, das wird mit großer Sicherheit durchgehen“, blickte Patrick Buck, stellvertretender Leiter der NWZ-Stadtredaktion, auf die Ratssitzung. Er selbst sehe den Neubau aufgrund der Kosten kritisch, „auch wenn ich mit meinem Sohn gern ins Stadion gehe“. Buck blickte noch weiter nach vorn: „Danach wird die große Frage sein, falls die Zahlen explodieren und nicht mehr passen sollten, ob die Politik den Mut hat, so ein Projekt bis Oktober wieder abzublasen.“
