Oldenburg - In 55 Metern Höhe ist der Blick auf die Stadt unbezahlbar. Die Sonne scheint an diesem Sonntag, es weht ein leichter Wind. Christian Ubben, 28, Metallbaumeister aus Werlte, interessiert das aber im Moment gar nicht.

Er tritt an den Rand der Kran-Gondel, nimmt die Arme über den Kopf und stürzt sich in die Tiefe.

Kurz darauf lässt der Kranführer die Gondel wieder herunter. Unten angekommen wird der strahlende Springer von seinem Bungee-Seil befreit. „Das war der totale Wahnsinn“, sagt er und lacht.

Derweil genieße ich in 55 Metern Höhe den Blick über Oldenburg. Hier stehe ich eine Weile, mit einem Karabinerhaken gesichert, hinten in der Gondel und beobachte alles mit ein wenig Schadenfreude. Da ahne ich noch nichts von meinem spektakulären Weg nach unten.

„Bungee-Springen ist absolut sicher. Radfahren ist da gefährlicher“, versichert Andre Pelzer vom „Sunnyday Sonnenstudio“, der die Sprünge am Sonnabendabend und Sonntag auf dem Pferdemarkt organisiert hat. „Das ist nicht einmal mehr ein Extremsport.“ Für 45 Euro kann man über sich hinaus wachsen.

Dann bietet er auch mir einen Sprung an. Ich lehne dankend ab, ich will doch nur darüber berichten. Ich habe gesehen, wie hoch das ist und bin schließlich nicht verrückt. Oder? Nach langem Hin und Her sage ich doch zu.

Bei Matthias Bode muss ich mich anmelden und einen Haftungsausschluss unterschreiben, während ich eine Springerin laut kreischen höre. „Leute, die beim Bungee-Springen sterben, haben ein Lächeln im Gesicht“, sagt Bode und grinst. Mut machen ist offenbar nicht seine Stärke.

Dann geht es für mich auf die Waage und mir werden die Gurte angelegt. Jan Meiners, der das Geschehen per Mikrofon kommentiert, führt mich in die Gondel. „Und? Nervös?“, fragt er. Ich gebe mich einigermaßen locker und denke darüber nach, warum ich das eigentlich mache.

Beim Einstieg prüft Fachmann Jabin „Rocco“ Kasprovicz von „Bungee-Jumping Berlin“ noch einmal alles. „Wollten wir den Gurt nicht eigentlich noch zum TÜV bringen?“, scherzt er.

Dann geht es dem strahlenden Himmel entgegen. Ich klammere mich an der Gondel fest und versuche, nicht nach unten zu schauen. Oben angekommen, schlägt mir das Herz bis zum Hals und ich atme tief durch. Ich trete an den Rand und nehme die Arme wie beim Kopfsprung im Schwimmbad nach oben.

Es ist soweit. Ich lehne mich etwas nach vorn und spüre einen leichten Schub von „Rocco“, der hinter mir steht, und schon rase ich dem Erdboden entgegen. Ich bringe keinen Ton heraus. Erst als das Seil mich bremst, fange ich wie ein Irrer an zu lachen. Das Blut schießt mir in Kopf und Arme. Unten angekommen zittere ich und grinse über das ganze Gesicht. Denn ich lebe noch.