ESENSHAMMERGRODEN - Die Straße in Esenshammergroden ist nicht unbedingt erste Wahl für einen Autokorso. Aber das war Ineke Beerepoot wurscht, als Holland gegen Uruguay das Finale der Fußball-WM erreicht hatte. Kurzerhand fuhr sie hupend und mit Oranje-Schal an Bauernhöfen und Kuhweiden vorbei und ließ ihrer Begeisterung freien Lauf. Vor einigen Höfen flatterten niederländische Fahnen. Kein Wunder, denn auf dem Groden, zwischen Esenshamm und Seefeld, schlagen viele Fußball-Herzen für Arjen Robben und Co. Hier haben drei deutsch-holländische Familien ihr Zuhause. Und nach dem Ausscheiden der deutschen Mannschaft ist für die beneidenswerten Fußball-Anhänger die WM noch lange nicht vorbei. Sie fiebern dem großen Finale am Sonntag gegen Spanien entgegen.
Peter Beerepoot ist schon als Zweijähriger mit seinen Eltern nach Esenshammergroden gezogen. Die Eltern haben dort einen landwirtschaftlichen Betrieb übernommen, den inzwischen ihr Sohn führt. Der 49-Jährige ist fest verwurzelt in Nordenham, hat eine Dauerkarte für Werder Bremen und in der Jugend selbst beim TSV Abbehausen Fußball gespielt. Die Rivalität zwischen Deutschen und Holländern spielt auf dem Groden keine Rolle. Stattdessen gibt es fröhliche Fußballfeste – auch bei den Spielen der deutschen Mannschaft. „Wir haben viele Spiele gemeinsam mit der Familie und den Nachbarn angeguckt“, erzählt Peter Beerepoots Frau Susanne. Auch die Kinder Ineke, Amke und Piet sind für Oranje, wenn am Sonntag das Finale angepfiffen wird. Schwägerin Iris Beerepoot und ihre Tochter Lea werden sich ihre Holland-Trikots überstreifen.
Der Optimismus ist groß. Peter Beerepoot weiß aber, dass es „eine ganz enge Kiste“ wird. Er meint, dass es die Holländer verdient haben. „Mit Applaus nach Haus – das will ich nicht noch einmal erleben“, weist der Landwirt darauf hin, dass die Niederländer mehr als einmal trotz guter Spiele die Segel streichen mussten. So wie beim legendären WM-Finale 1974, an das sich der 49-Jährige noch gut erinnern kann. „Auch damals haben die Holländer einen Super-Fußball gespielt – und sind trotzdem gescheitert.“
Der Landwirt hat die WM gut in seinen Arbeitsalltag integriert. Vor den Nachmittagsspielen wurden die Kühe gefüttert. Anschließend hat sich das Ehepaar die erste Halbzeit im Fernsehen angeschaut. In der zweiten Halbzeit standen beide im Melkstall und hörten Radio. Aber als die Holländer gegen Brasilien den Ausgleichstreffer erzielten, eilte der 49-Jährige wieder vor den Bildschirm, und das Milchvieh mussten sich ein wenig gedulden. So erlebte er noch den 2:1-Siegtreffer für Oranje. Zum Glück findet das Finale am Abend statt. Dann ist die Arbeit erledigt, und alle Beerepoots können ihren Lieblingen gemeinsam die Daumen drücken.
