Oldenburg -
Herr Schüller, seit Mittwoch wurde auf Kurzarbeit umgestellt. Wie ist die Stimmung im Club?
Hermann SchüllerIn Anbetracht der Umstände gut. Dabei sind sich alle der Ernsthaftigkeit und Tragweite dieser Krise bewusst. Wenn ich es bildlich ausdrücken darf: Unser Schiff steuert in einen Orkan hinein und jeder an Bord weiß, dass jetzt jeder Handgriff sitzen muss und überlebenswichtig ist.
Und sitzen die Handgriffe?
Schüller Wir merken, dass sich nun in dieser Krise – die niemand vorhersehen konnte, an der niemand die Schuld trägt und die schlicht und ergreifend höhere Gewalt ist – unsere bislang gelebte Unternehmenskultur des Vertrauens und des Miteinanders auszahlt. Alle ziehen an einem Strang, ein wirkliches Team. Das macht mich sehr stolz!
Die Basketball-Bundesliga hat ihre Zwangspause aufgrund des Coronavirus bis zum 30. April verlängert. Darauf hatten sich die 17 Clubs und die Liga am 25. März geeinigt. Zuvor wurde die Spielzeit am 12. März unterbrochen. Ende April soll nun erneut beraten werden, ob die Saison noch zu Ende gespielt werden kann oder doch abgebrochen werden muss – so wie es die Deutsche Eishockey-Liga DEL oder die Frauen-Handball-Bundesliga bereits getan hat.
Wie viele Mitarbeiter betrifft diese Maßnahme der Kurzarbeit aktuell?
SchüllerBetroffen von der Kurzarbeit sind alle im Club: Spieler, Coaches, Betreuer, Office.
Wie ist das Baskets-Center derzeit besetzt?
SchüllerWir müssen gerade einen Spagat hinbekommen. Die Krux ist, dass wir jede Kraft benötigen, um durch diese Krise hindurch zu kommen. Aber, wir priorisieren alles nur auf einen Zweck: den Fortbestand der EWE Baskets. Alles andere muss jetzt nach hinten rücken. Wir müssen mit dem zurechtkommen, was wir angesichts von Kurzarbeit noch haben. Die Besetzung fällt nun im Alltag natürlich geringer aus. Ein Teil arbeitet aus gebotener Vorsicht im Home Office.
Wie hoch sind die laufenden Kosten und wie viel lässt sich durch die Kurzarbeit einsparen?
SchüllerHierzu werden wir keine Zahlen nennen. Nur so viel: Wir haben uns als EWE Baskets noch nie als ein Profit Center sondern als ein Cost Center verstanden. Das heißt: Wir streben nicht nach Gewinnmaximierung. Wir geben nur das aus, was wir auch einnehmen, Leben nicht über unsere Verhältnisse. Wir gewährleisten mit den uns zur Verfügung stehenden Mitteln den Spielbetrieb und schaffen ein Erlebnis für die Zuschauer. Wir sind schon immer verantwortungsvoll mit dem Geld umgegangen und achten strikt darauf, dass am Ende mindestens eine Schwarze Null steht.
Dabei sollen die getroffen Maßnahmen jetzt helfen?
Schüller Die Kurzarbeit ist nun ein von allen im Club mitgetragenes Mittel, um die Kosten bei ausbleibenden Einnahmen im Griff zu behalten.
Die Fußball-Bundesliga plant die Saison Mitte Mai in Form von Geisterspielen durchzubringen. Ist das auch für die BBL ein mögliches Szenario?
SchüllerEinfach nur abwarten und hoffen und sich dann erst mit Szenarien auseinandersetzen, ist nicht ratsam. Daher finde ich es sehr gut, wie die DFL an dieses Thema herangeht.
Inwiefern?
SchüllerDenn auch bei Geisterspielen gäbe es eine Vielzahl von Auflagen und Sicherheitsmaßnahmen zu beachten, die in der Vergangenheit kein Thema waren. Und es ist enorm hilfreich, sich jetzt schon damit zu beschäftigen. Außerdem ist es ein positives Signal, das uns allen Mut machen sollte. Und so sehe ich in der Corona-Krise auch die Rolle der Profi-Ligen: Bei allem, was da noch auf die Gesellschaft zukommen mag, sollten wir uns dennoch Dinge vornehmen können, die Freude und ein Miteinander in dieser schweren Zeit ermöglichen. Schließlich bedeutet es doch etwas für die Menschen, für was wir und auch alle anderen Clubs stehen. Das kann auch dieses gefährliche Virus nicht einfach abstellen.
Müssten die Baskets dann in der großen Arena spielen oder würde die kleine Arena oder sogar die Trainingshalle reichen?
Schüller Auch bei Geisterspielen planen wir, in der großen EWE-Arena zu spielen, da wir nur dort unseren vertraglichen Verpflichtungen bezüglich Werbeflächen nachkommen können.
Viele Liga-Konkurrenten mussten Verträge mit Spielern auflösen und haben sich aufgrund eines möglichen Wettbewerbsnachteil öffentlich für ein Saisonende ausgesprochen. Wie stehen Sie zu diesen Aussagen einiger ihrer Kollegen?
SchüllerHierzu muss man wissen, dass es nach der ersten BBL-Sitzung eine Beschlusslage gab. Diese sah vor, dass man sich aufgrund der damaligen Situation mit vielen offenen Fragen erstmal ruhig verhält, um sich dann zwei Wochen später erneut zu treffen, damit weitere Beschlüsse bei einem klareren Bild gefasst werden können.
Das ist nicht passiert?
SchüllerEinige Clubs haben das nicht abgewartet und Fakten geschaffen. Sie gefährden damit jedoch die gesamte Veranstaltung und die Glaubwürdigkeit unserer Liga. Außerdem muss man an der Stelle anmerken, dass das Auflösen von Verträgen nicht unbedingt der einzige Weg wäre, um seine Liquidität in den Griff zu kriegen. Wir zeigen gerade, dass es auch anders gehen könnte. Wir alle zusammen haben eine Verpflichtung gegenüber Fans und Sponsoren und wir haben die Pflicht, für eine Fortsetzung der Saison zu kämpfen. Und dafür brauchen wir die Unterstützung aller. Diese Krise erfasst die gesamte Gesellschaft. Profi-Sportler haben doch immer eine Vorbildfunktion für sich proklamiert. Und das muss in dieser Krise erst recht gelten. Wir müssen unseren bescheidenen Teil dazu beitragen, dass es gut ausgeht. Weglaufen ist keine Option.
Wie schwer ist es, mit den Spielern über Verträge zu sprechen und Transferausgaben zu planen? Oder steht alles hintenan?
SchüllerWir haben mit den Spielern eine entsprechende Anpassung für den laufenden Vertrag vorgenommen. Das betrifft den Zeitraum ab April. Wir gehen natürlich davon aus, dass es dann danach auch eine neue Saison geben wird. Da gibt es für den Moment erstmal keinen weiteren Gesprächsbedarf.
