Oldenburg/Crailsheim - Die Basketball-Bundesliga geht wieder los – und zum Saisonstart sind viele Fragen offen. Allen voran mit Blick auf die überraschend desaströse Hinrunde der EWE Baskets Oldenburg in der vergangenen Spielzeit. Aber auch wegen der zum Großteil neuen Oldenburger Mannschaft. In der vergangenen Saison verschoben sich zudem ein wenig die Kräfteverhältnisse zwischen den Baskets und den Merlins: Oldenburg spielte lange gegen den Abstieg und verpasste das erste Mal seit 2012 die Playoffs. Die Crailsheimer, die erst 2018 in die Bundesliga aufgestiegen waren, erreichten nach der Playoff-Teilnahme 2020/21 in diesem Jahr das Pokalfinale.
Ganz neues Team
An diesem Sonntag (18 Uhr) fordern die Baskets nun also die Merlins in deren Halle und besiegeln das Ende einer für die Oldenburger Fans ungewohnt langen Pause nach dem Hauptrunden-Ende Anfang Mai. Seitdem gingen bei den Baskets nicht nur acht Spieler inklusive der Bundesliga-Legende Rickey Paulding, der zuvor 15 Spielzeiten lang die Oldenburger Konstante gewesen war, sondern auch Trainer Ingo Freyer, der das Team mit schnellem Tempobasketball in der Rückrunde noch von den Abstiegsplätzen auf Rang elf gesteuert hatte. Neu-Trainer Pedro Calles stellte ein neues Team zusammen, das sich jetzt finden und den vom Spanier gewünschten Spielstil verinnerlichen muss.
Schöne neue Stadt
Einer der Zugänge ist DeWayne Russell, der von 2018 bis 2020 bei der Merlins gespielt hatte und im Sommer als der neue Spielmacher bei den Baskets vorgestellt wurde. Er kennt die Bundesliga also bereits – und ist von Oldenburg bislang nicht enttäuscht: „Meine ersten Wochen in Oldenburg waren sehr schön, es gibt wirklich eine Menge zu tun für mich und meine Familie, ich genieße das bisher sehr“, erzählte der US-Amerikaner unserer Redaktion. Auch im Team fühle er sich wohl: „Wir sind jetzt seit acht Wochen zusammen, lernen uns immer besser kennen. Das läuft alles gut.“
Verletzte neue Spieler
Was zuletzt weniger gut lief, waren die Testspiele. Zwar gewannen die Oldenburger insgesamt vier von sieben, zuletzt gab es aber gegen Bonn zweimal deutliche Pleiten. „Bonn ist ein sehr gutes Team. Ich denke, wir brauchen einfach noch etwas Zeit, ums uns kennen zu lernen – auch auf dem Parkett“, sagte Russell. Zudem seien zwei der in wichtigen Rollen eingeplanten Zugänge, Owen Klassen (Center) und Trey Drechsel (Guard/Forward), eine Weile verletzt gewesen.
Alte und neue Zauberer
Auch die Merlins haben wichtige Spieler verloren, in TJ Shorts sogar einen der besten Spieler der Liga. Dafür verpflichtete Crailsheim den US-Amerikaner Otis Livingston aus Serbien sowie ein europäisches Trio aus der gemeinsamen Liga Belgiens und den Niederlanden, Asbjorn Midtgaard (Dänemark), Arunas Mikalauskas (Litauen) und Edon Maxhuni (Finnland). Daneben haben die Merlins aber im Ex-Oldenburger Maurice Stuckey, Fabian Bleck und Bogdan Radosavljevic drei wichtige Stützen im Team gehalten. So hat das Team in der Vorbereitung deutliche Testspiel-Siege gegen Würzburg (102:75) und Ulm (104:88) eingefahren.
Die neue Mission
Russell freut sich indes auf seine Rückkehr in die Arena Hohenlohe. „Ich habe in Crailsheim einige Freunde. Es ist schön, sie wiederzusehen“, sagte der 28-Jährige, der aber dennoch keine Geschenke verteilen will: „Natürlich wollen wir gewinnen, man möchte die Saison immer mit einem Sieg beginnen.“ Aber es geht ihm nicht nur um die zwei Punkte: „Noch wichtiger ist, dass wir spielerisch in die richtige Richtung gehen, weiter wachsen und besser werden“, sagt er mit an Coach Calles erinnerndem Vokabular: „Unser Team ist auf einer Mission, um unseren Spielstil zu etablieren. Das ist das Wichtigste.“
