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NWZonline.de Sport

Experten betriebssicherer als der DFB-Kader

16.07.2018

So was richtig Tolles war diese WM nicht, der Dramatisierung im Fernsehen zum Trotz. TV-Serien wie etwa „Outback Truckers“ oder „Railroad Alaska“ bieten manchmal mehr Action, führen Kenner an. Im australischen Fernfahrer-Epos beackern echt mutige Kerle das Spielfeld. In der Eisenbahner-Saga passiert im Gleisbett mehr als im Strafraum.

Fair sind solche Vergleiche nicht. ARD und ZDF ist es gelungen, eine angenehme Grundspannung aufrecht zu erhalten. Überdreht haben dabei die Reporter am Platz. Ob Tom Bartels, Steffen Simon, Gerd Gottlob oder Oliver Schmidt, ihr Fernsehen klang immer nach Radio. „Was für ein Spiel (oder eine Parade, ein Trick, oder ein Tor)!“ lautete ihr steter euphorischer Ausruf. Sie hätten wohl auch eine Curry-Pommes-Kombination zum Dreisterne-Gericht erhoben.

Manchmal haben sie aber auch schöne Sprachbilder entworfen, wie Béla Réthy bei der deutschen Abschiedsvorstellung gegen Südkorea: „Dies ist hier alles keine Zeitlupe, das sind reale Bilder.“

Im gemeinsamen Studio der Öffentlich-Rechtlichen in Baden-Baden zogen Moderatoren und Experten ein sauber strukturiertes Spiel auf, durchaus sicherheitsbedacht, aber mit einiger Frische. Das hielt diese Mischung aus Naivität und Hysterie im Gleichgewicht, mit der viele Fans der kommerzialisierten Fußballwelt immer noch ergeben begegnen. Die Analysten wirkten betriebssicherer als der DFB-Kader.

Die Entdeckungen der WM standen im Ersten bei Matthias Opdenhövel und Alexander Bommes hinter dem Studiotisch. Experte Thomas Hitzlsperger folgte derart eigenständig auf Mehmet Scholl, dass ihn niemand mit dem Vorgänger verglich. Dessen aufmüpfige Frechheit fehlte ihm. Er ersetzte das durch Sachlichkeit und Meinungsstärke. Ebenso einnehmend kam Hannes Wolf herüber. Der bog gar eine wiederholte Fehlprognose zu seinen Gunsten um: „Auch das habe ich so nicht vorausgesehen – das klappt bei mir zuverlässig.“

Bei Stefan Kuntz und Philipp Lahm hatte die ARD ein weniger glückliches Händchen. Dass beide in DFB-Diensten stehen und sich loyal geben müssten, wusste man vorher. Lahm führte schnell alle Floskeln und Phrasen, mit denen man Leere kaschiert, im Repertoire.

Im Zweiten gab Christoph Kramer den Jungspund, der frei von der Leber weg, aber nicht unbedarft sprach. Damit fügte er sich bestens ins Experten-Team ein. Ob Oliver Kahn, Taktiker Holger Stanislawski oder Oberschiedsrichter Urs Meier, die Kenntnisse und ihre Aufbereitung erwiesen sich als recht fundiert. Kahn zermalmte nicht mehr nur seine Worte und Aussagen im Mund. Er schaffte es sogar, Verlierer nicht gleich zu Versagern abzustempeln.

Beim für den Vorrunden-Verlauf wohl doch bedeutsamen Thema Özil-Gündogan-DFB kniffen alle. Niemand riskierte einen Blick hinter die Sichtschutzwände. Das war die wirkliche Fehlleistung.

Wer seinen Fernseh-Konsum nach drei von den sieben geplanten deutschen Spielen verkürzt hatte, darf das vielleicht sogar als Gewinn verbuchen. Spanische Gesundheitswissenschaftler haben in einer als seriös eingestuften Studie eine verblüffende Erkenntnis präsentiert. Ohne die vielen Fußnoten zu bewerten, lautet sie: Erwachsene verdoppeln ihr Risiko, frühzeitiger zu sterben, wenn sie mehr als drei Stunden am Tag vor dem TV verbringen. Hallo?

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