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Was Fechterin Lisa Demydova (12) seit Kriegsausbruch erlebte Von Charkiw nach Oldenburg

Bernd Teuber

Oldenburg - Charkiw, die Millionenmetropole im Nordosten der Ukraine, ist nicht nur die zweitgrößte Stadt des Landes, sondern auch die Heimat der zwölfjährigen Vasilisa „Lisa“ Demydova. Hier wuchs sie auf, ging zur Schule und begann vor fünf Jahren mit dem Fechtsport. „Ich weiß gar nicht mehr, wie sie darauf gekommen ist. In der Familie betreibt keiner diesen Sport und in der Stadt sind andere Sportarten populärer. Auf einmal stand sie da und sagte, dass sie fechten möchte“, erinnert sich Mutter Antonina an die sportlichen Anfänge ihrer Tochter: „Fechten ist aber ein schöner Sport und fördert das strategische Denken.“  

Verbleib und Flucht

Dass Lisa nicht mehr in ihrer Heimatstadt aktiv ist, sondern nun plötzlich für den Fechtclub zu Oldenburg bei den Landesmeisterschaften im Degenfechten der Altersklasse U15 den dritten Platz belegte, hat mit dem Krieg in der Ukraine zu tun. Denn ab dem 24. Februar war nichts mehr so wie früher. Russische Bomben machten ein normales Leben, wie die Familie es bisher kannte, unmöglich. Anstatt in die Schule und zum Fechten zu gehen (die Fechtschule wurde bei einem Bombenangriff teilweise zerstört), pendelte Lisa nun zwischen Keller und Badezimmer der elterlichen Wohnung hin und her. „Die letzten zehn Tage in Charkiw haben wir faktisch in unserem Badezimmer gelebt“, berichtet Antonina Demydova: „Das Schlimmste war nicht das Geräusch der explodierenden Bomben, denn wenn man das hörte, wusste man, dass man diesmal davongekommen ist. Viel schlimmer waren die Flugzeuge, weil man nicht wusste, wo die nächste Bombe einschlägt.“

Nach anderthalb Wochen in ständiger Angst entschloss man sich, die Heimatstadt zu verlassen und nach Oldenburg zu gehen, wo eine Jugendfreundin von Lisas Vater lebt. Der musste allerdings in Charkiw zurückbleiben, wo er gemeinsam mit Freunden anderen Menschen hilft, zu überleben. „Unsere Familie und Freunde sind alle noch dort, aber zum Glück müssen sie nicht als Soldaten kämpfen“, sagt Antonina Demydova. Nach fünftägiger Odyssee mit Zug und Bus kamen Mutter und Tochter wohlbehalten in Oldenburg an. Was bleibt, ist die Angst um die Liebsten im 2200 Kilometer entfernten Charkiw.   

Das Fechten

Nachdem die beiden zunächst bei der Jugendfreundin untergekommen waren, wohnen sie mittlerweile bei einer deutschen Familie in Bremen. Von hier aus pendelt Lisa nun zweimal die Woche zum Training beim Fechtclub zu Oldenburg, wo sie bereits eine Woche nach ihrer Ankunft in Oldenburg erstmals am Training teilnahm.

„Anfangs wirkte sie noch etwas verschüchtert, aber am Ende hat man gemerkt, dass sie sich bei uns so richtig wohlfühlt“, freut sich Fechtmeister Wilfried Lipinski ob der schnellen Integration der jungen Ukrainerin, die kein Deutsch und nur wenig Englisch spricht: „Aber irgendwie haben die Kinder es geschafft, sich miteinander zu verständigen. Das zeigt einmal mehr, dass Sport verbindet und somit ein hervorragendes Mittel zur Integration ist.“

Bei den jüngst in Oldenburg ausgetragenen U-15-Landesmeisterschaften zeigte Lisa eindrucksvoll ihr Können. Gemeinsam mit ihrer neuen Vereinskollegin Sofie Vogelsang belegte sie den dritten Platz. Den Titel holte sich in Maite Wentzler ebenfalls eine Oldenburgerin. Sie bezwang im Finale ihre Clubkameradin Juli Lüers.

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