Oldenburg - Die Rote Karte hält Mesut Karadag schon griffbereit. Im übertragenen Sinne versteht sich, denn Karadag ist kein Schiedsrichter, sondern Gastwirt in Oldenburg. Den Platzverweis will der Chef des Bistros Madison dem Bezahlsender Sky erteilen, der zum 1. September wieder einmal die Preise erhöht. Im Durchschnitt sollen Sportsbars, Kneipen und Gaststätten in Deutschland zur neuen Saison 30 Prozent mehr berappen, damit sie ihren Gästen Live-Fußball servieren können. Manche müssen sogar noch tiefer in die Tasche greifen. „Wir werden bei nächster Gelegenheit unseren Vertrag kündigen“, schimpft Karadag: „Die Entscheidung fällt mir schwer, aber ich muss wirtschaftlich denken.“ Für den aktuellen Kostensprung von 450 auf 750 Euro im Monat zeigt er kein Verständnis und zieht die Notbremse: „Ich will ja keinen Eintritt nehmen oder meine Gäste zum Verzehr drängen.“

Ins Abseits gestellt fühlt sich auch Ruben Hakobians, Inhaber des Havana. „Für uns ist mit dieser Erhöhung eine Grenze erreicht. Wir werden überlegen, ob es sich überhaupt noch lohnt. Die Preise haben sich in den vergangenen Jahren für uns verdreifacht“, klagt er. Ein kompletter Verzicht stehe aber derzeit noch nicht zur Debatte. Zwar seien die Duelle von Werder Bremen nicht mehr so ein Zugpferd wie zu erfolgreichen Zeiten des Clubs, doch Derbys und Spitzenspiele lockten immer noch viele Gäste.

Hinter vorgehaltener Hand spekulieren die Wirte über die Motive von Sky. Der Verdacht: Es gehe darum, den Kneipen-Fußball zu verteuern, um lukrativere Privat-Abos an den Fan zu bringen. Das dementiert der Münchner Bezahlsender, der ohnehin nicht von Preiserhöhungen, sondern von „Anpassungen“ spricht. „Wenn unsere Produktionskosten steigen, müssen wir sie zumindest zum Teil auf unsere Kunden umlegen“, sagt eine Sprecherin. Bislang zählte nur die Quadratmeterzahl für die Bemessung des Abo-Preises. In seinem neuen Geschäftsmodell mit sechs Preiskategorien bewertet Sky zudem die Kaufkraft der Region und die Nähe zu einem Bundesligisten. Deutschlandweit mache die Gastronomie mit Live-Fußball einen Umsatz von 1,2 Milliarden Euro im Jahr, argumentiert Sky. Umgerechnet auf einen Gast seien dies im Durchschnitt rund 18 Euro pro Übertragung. „Diese Zahl ist zu hoch gegriffen“, kontert Karadag.

Als „nicht mehr transparent“ bezeichnet auch Hildegard Kuhlen die Preispolitik des Senders. „Die Gastwirte können die ständigen Erhöhungen gar nicht mehr auf ihre Kunden umlegen“, kritisiert die Geschäftsführerin des Deutschen Hotel- und Gaststättenverbandes (Dehoga) in Weser-Ems. Gemeinsame Aktionen der Wirte im Nordwesten gebe es aber nicht. Trotz aller Proteste wird Sky weiterhin als Partner auf der Internetseite des Dehoga aufgeführt. Verbandsmitglieder, so heißt es, erhalten je nach Größe und Standort einen Rabatt in Höhe von 275 bis 800 Euro pro Jahr. Einige Wirte in der Region setzen zudem auf eine individuelle Einigung und wollen – auch mit Blick auf die WM-Euphorie – aus Imagegründen nicht auf Fußball verzichten. Eines steht allerdings fest: Die Diskussionen werden in die Verlängerung gehen – weitere Notbremsen und Rote Karten nicht ausgeschlossen.