Oldenburg - 1,4 Sekunden vor dem Abschluss einer sensationellen Saison musste Dejan Stojanovski um seinen Status als erster Meistertrainer im Oldenburger Nachwuchsprogramm zittern. Bruno Walz, der zuvor schon für das 74:72 der U-16-Talente der Baskets Juniors im Finale der Jugend-Basketball-Bundesliga (JBBL) gegen Alba Berlin gesorgt hatte, stand an der Freiwurflinie und bekam durch die Führungsspieler Djordje Klaric und Yanu Slingerland eine ganz spezielle Anweisung zugeflüstert. Der Auftrag wäre fast nach hinten losgegangen – doch wenig später durften Walz & Co. den Sieg feiern.
Der Auftrag: „Da lautet das Motto: Wirf ihn daneben, um zu gewinnen“, umschrieb Jugend-Nationaltrainer Dirk Bauermann die Szene, die sich kurz vor dem Ende der packenden Begegnung am Sonntag in Berlin abspielte. Um Alba die Chance auf eine Wende zu nehmen, sollte Walz seinen zweiten Freiwurf an, aber nicht in den Ring werfen. Nach dem Abpraller hätte der Gegner in der Kürze der Zeit sehr, sehr sicher keinen Abschluss mehr zustande gebracht.
Die Ausführung: Doch die Spezialmission ging schief. „Man muss natürlich auch treffen“, sagte Bauermann, nachdem Walz, der im vorherigen Saisonverlauf 28 seiner 52 Versuche versenkt hatte, den ersten Freiwurf in dieser alles entscheidenden Phase nicht getroffen – und den zweiten ohne Berührung unter dem Korb durch geworfen hatte. So bekamen die Berliner die Möglichkeit, sich mit einem finalen Einwurf vielleicht doch eine aussichtsreiche Wurfposition zu verschaffen. Der finale Dreier fiel allerdings nicht, so dass Stojanovski, Walz und das ganze Team erleichtert wie enthusiastisch aufatmen durften.
Die Ausnahmesituation: Dass die Oldenburger nach einer 65:52-Führung vor dem letzten Viertel am Ende noch so kräftig zittern mussten, lag am Zitterhand-Syndrom, das zuerst die Juniors und nach dem 70:70 in den finalen vier Minuten auch die Berliner befiel. „Das ist in dieser Altersstufe so – da gibt es immer Phasen, gerade wenn es entscheidend wird“, meinte Bauermann.
Die Auszeichnung: Auch Klaric, der jetzt zum U-16-Lehrgang mit dem Bundestrainer fährt, verlor am Ende sein goldenes Händchen, wurde aber als MVP („wertvollster Spieler“) des JBBL-Final-Four-Turniers ausgezeichnet. Der 15-Jährige kam im Endspiel auf 28 Punkte und sechs Rebounds. Beim 82:66 tags zuvor im Halbfinale gegen Ludwigsburg hatte er in deutlich weniger Spielzeit für 23 Zähler gesorgt und fünf Abpraller eingesammelt. Wie Klaric hätte auch der ein Jahr ältere Slingerland (27 Punkte/12 Rebounds am Samstag – 22/18 am Sonntag) die Auszeichnung verdient gehabt.
