FRANKFURT - In Peking feierten Britta Steffen, Matthias Steiner, Lena Schöneborn, Britta Heidemann, Ole Bischof, Jan Frodeno und Co. Siege mit Glanz und Gloria – doch das Gold lässt sich nicht so leicht versilbern: Kaum einer der Sporthelden des Jahres 2008 hat nach Olympia das schnelle Geld gemacht. „Man kann davon leben, Olympiasieger zu sein“, sagt Judoka Bischof – freilich nicht in Saus und Braus.

„Britta Steffen ist der Star unter den deutschen Goldmedaillengewinnern. Sie verfügt über den weitaus größten Bekanntheitsgrad und Marktwert“, sagt Hartmut Zastrow vom Kölner Institut „Sport + Markt“ über die Schwimmerin, die über 50 und 100 Meter Freistil triumphierte.

Steffen ist allerdings nicht scharf darauf, ein Werbe-Star wie Franziska van Almsick zu werden. „Unsere Oma hat ihren Enkeln immer zehn Mark zugesteckt, wenn ihnen etwas Besonderes gelungen ist, zum Beispiel ein gutes Zeugnis“, erzählt die 25-Jährige in der Zeitung „Die Welt“. „Als Oma nach meiner Rückkehr aus China dann sagte, ich würde nun sogar zweimal zehn Mark von ihr bekommen, war das die schönste Prämie überhaupt für mich.“

Während Steffen lieber ihr Studium für Wirtschafts-Ingenieurwesen in Berlin vorantreibt, rührt Gewichtheber Steiner eifrig die Werbetrommel in eigener Sache. „Matthias Steiner ist in den Köpfen und Herzen vieler Deutscher“, sagt Experte Zastrow und bescheinigt ihm ein „hervorragendes Potenzial“.

Bisher hat Steiner, der Diabetiker ist, aber nur einen Vertrag mit einem Schweizer Pharma-Konzern abgeschlossen; er soll für Blutzucker-Messstreifen werben.

Nicht nur die „Emotionalität des Moments“ ist nach Ansicht Zastrows bei der Vermarktung entscheidend, sondern auch die mediale Ausstrahlung und vor allem die Professionalität der Athleten. „Wenn Olympiasieger – wie geschehen – erst einmal monatelang vorgeben, den Markt zu sondieren, ist es oft schon zu spät“, warnt er.

Lena Schöneborn hat noch keinen Manager, keinen einzigen Sponsor – und das Manko, als Olympiasiegerin im Modernen Fünfkampf eine absolute Randsportart zu vertreten. Immerhin gibt sie Kurse für Mitarbeitermotivation bei Banken, „ein kleiner Nebenjob“.

Ganz anders Degenfechterin Britta Heidemann: Die Leverkusenerin, die auch in China sehr populär ist, trat nach ihrem Olympia-Triumph in „Wetten dass..?“ und bei „Menschen 2008“ auf. Die 26-Jährige, eloquent und gut aussehend, hat schon ein halbes Dutzend Sponsoren. „Britta ist ein aufwachender Riese“, sagt Christoph Gottschalk, der Bruder des TV-Moderators Thomas, von Heidemanns Agentur dolce media.

„Olympia-Gold ist sehr wertvoll“, sagt auch Ralf Schäuble, Ehemann und Manager von Mountainbike-Olympiasiegerin Sabine Spitz. Das Jahresgehalt seiner Frau reiche mittlerweile in den sechsstelligen Bereich hinein. „Aber nach Monaco müssen wir noch nicht auswandern.“