Oldenburg - Raus mit Applaus: Die Handballerinnen des VfL Oldenburg haben sich mit einer unnötigen Heimniederlage aus dem Europapokal-Wettbewerb verabschiedet. Die Mannschaft von Trainer Leszek Krowicki unterlag am Sonntagnachmittag im letzten EHF-Cup-Gruppenspiel dem dänischen Spitzenclub Randers HK mit 24:25 (13:10). Das Siegtor für die Gäste fiel sechs Sekunden vor der Schlusssirene. Ungeachtet des sportlichen Werts – für beide Teams ging es um nichts mehr – lieferten die VfL-Frauen vor 644 Zuschauern in der kleinen EWE-Arena noch einmal eine ordentliche Leistung ab.

Die Partie begann mit einer technischen Panne. Die Mikrofonanlage in der Arena startete erst im zweiten Versuch durch. Diese Anlaufschwierigkeiten hatten die VfL-Frauen nicht. Sie kamen durch Kelly Dulfer und Cara Hartstock schnell zur 2:0-Führung (3. Minute). Ganz so effektiv sollte es dann doch nicht weitergehen. Wie schon im Ligaspiel gegen Leverkusen ließen die Gastgeberinnen zu viele Torchancen aus, leisteten sich etliche technische Fehler. So warf Angie Geschke in der 13. Minute aus neun Metern sogar am leeren Tor vorbei.

Auch die erstmalige Vier-Tore-Führung (9:5/19.) brachte keine Ruhe in die VfL-Aktionen. Die überhasteten Abschlüsse führten dazu, dass Randers zum 9:9-Ausgleich kam. Die Berg- und Talfahrt sollte sich durch die gesamte Partie ziehen. So verspielten die zu sorglos agierenden VfLerinnen einen 15:11-Vorsprung und lagen nach 41. Minuten mit 15:17 zurück.

Trotz des Ausscheidens in der Gruppenphase fällt die Bilanz aus Sicht von Trainer Krowicki durchweg positiv aus. Von den zwölf Auftritten im diesjährigen EHF-Pokal gewannen die VfL-Frauen sechs Partien, die restlichen Begegnungen gingen allesamt verloren. „Zunächst einmal war es schon ein riesiger Erfolg, nach all dem Verletzungspech überhaupt noch die Gruppenphase erreicht zu haben“, erinnert Krowicki an die zwei entscheidenden Siege im November gegen das dänische Spitzenteam TTH Holstebro (27:25 und 31:21).

Was für ihn jedoch maßgeblicher ist, ist der Lerneffekt für sein Team. „Erst die Konfrontation mit Spielerinnen und Teams, die ein anderes, ein hohes Niveau verkörpern, führt dazu, dass sich eine Spielerin, eine Mannschaft weiterentwickelt. Hinzu kommen auch andere Schiedsrichter, andere Zuschauer und andere Gegebenheiten in den gegnerischen Hallen“, betont Krowicki und spricht „von vielen Elementen, die die Entwicklung einer Spielerin positiv beeinflussen können“.

Nach Lage der Dinge müssen Trainer und Club zukünftig auf diese internationale Entwicklungshilfe verzichten. Wieder einmal. Denn bereits zwischen 2011 und 2015 nahm der VfL aus wirtschaftlichen Gründen nicht am Europapokal teil.

In der Ära Krowicki (seit 2005) traten die Oldenburgerinnen insgesamt sechsmal in einem europäischen Wettbewerb an. Gleich bei der ersten Teilnahme in der Saison 2007/2008 gewannen die VfL-Frauen den Challenge-Cup. Es folgten zwei Auftritte im EHF-Pokal (2008/09 und 2010/11).

In der Spielzeit 2009/10 hatte sich das Krowicki-Team als deutscher Pokalsieger für den Europapokal der Pokalsieger qualifiziert. Danach folgte die angesprochene vierjährige Abstinenz, bevor der Verein 2015/16 wieder auf die internationale Bühne zurückkehrte. Der Auftritt im November 2015 im Cupsieger-Wettbewerb war allerdings nur von kurzer Dauer. Der VfL traf gleich in seiner ersten Runde auf die russische Übermannschaft und späteren Finalisten Lada Togliatti und schied aus.

„So gesehen haben wir in dieser Europapokal-Spielzeit ganz schön lange durchgehalten“, meint Krowicki, der sich ab sofort mit seiner Mannschaft ganz auf die Bundesliga konzentrieren kann.