Wilhelmshaven - Bereits der Fototermin zeigt: In dieser Tennisrunde des WTHC haben alle ihren Spaß. Als Geburtstagskind Fred Hauf, der an diesem Donnerstag 90 Jahre alt wird, seinen Schläger „andersherum“ halten soll und das nicht gleich klappt, schallt es unter Gelächter unisono aus dem Hintergrund: „Wie bei der Rückhand.“
Letztes Training
Danach läuft es – und das Lächeln müssen die Herren nicht erst einstudieren. Und das Geburtstagskind? Mag eigentlich keinen Rummel um seine Person, hatte aber angekündigt, mit 90 Jahren letztmalig zum Schläger zu greifen. Am kommenden Dienstag wird das soweit sein, anschließend wird man den gebürtigen Sudetendeutschen nur noch – auf seinem Stammplatz – bei der Frühstücksrunde im WTHC-Clubheim antreffen.
An dem Entschluss, den Schläger nach dem runden Geburtstag in die Ecke zu stellen, wird nicht mehr gerüttelt. Hauf: „Die Reaktionen lassen nach, läuferisch ist das auch nicht mehr hundertprozentig – und ich will den anderen ja nicht zur Last fallen. Und bei wem zwickt es altersbedingt nicht?“
Seit 1998 in WHV
100-Prozent-Mensch Hauf kam 1968 über die Marine von Kiel nach Wilhelmshaven. Im Anschluss ging es dem Minensucher wie dem Hauptdarsteller des Films „Willkommen bei den Sch’tis“: „Ein Fremder, der in den Norden kommt, weint zweimal: wenn er ankommt und wenn er wieder fährt.“ Der ehemalige Oberstabsbootsmann kann das nur unterschreiben. „Stadt und WTHC sind mir ans Herz gewachsen.“
Start in den 90er-Jahren
Und wie: 25 Jahre lang war Fred Hauf – unter den damaligen Vorsitzenden Heinz Gerken und Erwin Rietschel – Geschäftsführer des Vereins. In diese Zeit fielen der Bau der Tennishalle und der Verkauf von Vereinsgelände. Die Arbeit von Hauf am Ölhafendamm markiert aber auch den Anfang der Dienstags-Gruppe irgendwann in den 1990er-Jahren – so genau vermag der Jubilar das nicht mehr zuzuordnen.
Aus der Idee von Hauf und dem damaligen Vereinswirt Josef Hager entstand schnell eine größere Gruppe, in der sich im Augenblick rund zehn Akteure regelmäßig um 9 Uhr für 90 Minuten zusammenfinden; der jüngste ist 67 Jahre alt. Die Spiele unterliegen nicht dem Zufallsprinzip. Jeweils montags schickt „Spielwart“ Achim Schuh einen Turnierplan mit wechselnden Doppelpartnern in die Whats App-Runde. Am Dienstag wird akribisch gezählt, um anschließend bei Brötchen und Kaffee alles noch akribischer zu analysierten. „Der Ehrgeiz ist unübersehbar“, stellt Karl-Heinz Brinker, einer der Mitstreiter, fest.
Starker Zusammenhalt
Aber vor allem stimmt der Zusammenhalt. Deswegen wird Ex-Altersklassen-Clubmeister Fred Hauf der Runde auch die Treue halten. „Wir haben uns immer gut verstanden. Ich werde diese Gemeinschaft – solange ich noch eine Kaffeetasse halten kann – weiter pflegen.“
Neue Akteure können selbstverständlich unverbindlich zur Dienstags-Runde stoßen. Von einem „Probetraining“ will in diesem Zusammenhang niemand reden. Hauf: „Man sieht doch ganz schnell, ob das passt.“ Gefeiert wird an diesem Donnerstag im Hause Hauf aus Krankheitsgründen nicht. Aber auch weiß die Gruppe sofort Rat: „Dann eben den 100. Geburtstag.“
