Neuharlingersiel - Lene Gerjets hat gerade einen Wurf für die Geschichtsbücher gemacht. Sie beförderte den Kloot auf 69,21 Meter – Weltrekord im Frauenbereich. Doch wirkliche Freude kam bei der jungen Etzelerin nicht auf. Denn ihr erster Wurf ging für ihre Verhältnisse komplett daneben: nur 53,20 Meter. „Ich war noch nicht drin im Wettkampf. Ich hätte noch einen Probewurf gebraucht, so fürs Gefühl“, sagte die frischgebackene Weltrekordhalterin enttäuscht. Doch zwischen Einwerfen und Wettkampf lag zu viel Zeit. 181,95 Meter standen nach drei Würfen als Gesamtweite zu Buche. „Bei unserem starken Kader reicht das nicht für eine Medaille“, fügte sie hinzu. Wie recht sie hatte, sollte sich kurz darauf zeigen.

Von Anfang an lief es hingegen bei Femke Wilberts. Die Norderin startete mit 63 Metern und steigerte sich über 65,35 auf 67,35 Meter – persönliche Bestleistung. Aber die eigentliche Favoritin sollte ja noch kommen. Lena Stulke kam jedoch nicht an ihre 195,70 Gesamtweite – Höchstwert bei einer EM – heran. Mit offenem Mund stand Femke Wilberts da, als das Ergebnis durchgesagt wurde. Sollte es tatsächlich für Gold reichen, oder wird sie, wie am Freitag, doch noch auf der Zielgerade abgefangen? Als die letzte Athletin aus Schleswig-Holstein ihren ersten Wurf vor der 50-Meter-Marke ließ, war es klar: es reicht. Und auch Lene Gerjets durfte noch hoffen. „Wenn das reicht, bin ich der glücklichste Mensch der Welt“, sagte sie ungläubig. Kurz darauf brach Jubel aus, hinter Femke Wilberts und Lena Stulke holte sie Bronze und komplettierte das FKV-Podium.

Bei den Männern warteten alle gespannt auf den Auftritt des Titelverteidigers Mike Plähn. Und der Werfer aus Schleswig-Holstein, der mittlerweile in Ostfriesland lebt, enttäuschte seine Anhänger nicht. Gleich sein erster Wurf schlug bei 94,10 Metern am Strand von Neuharlingersiel ein. Mit 269,10 Metern übernahm er auch die Gesamtführung. Hendrik Rüdebusch, Europameister von 2016, kam auf 251,60 Meter. Damit sicherte er sich hinter Mike Plähn und Kai Engel vom VSHB Bronze.

Auch wenn es nicht für die Medaillenränge gereicht hat, jubelte auch Florian Eiben auf der Bahn. Der Leerhafer warf alle drei Versuche knapp über die 80-Meter-Marke. Er wurde am Ende Sechster. Bester Werfer außerhalb der beiden deutschen Verbände wurde David Murphy aus Irland.

Jochen Schrievers
Jochen Schrievers Sportredaktion, Jeversches Wochenblatt, Wilhelmshavener Zeitung