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NWZonline.de Sport

Doping: Früher Tod ohne Konsequenzen

07.04.2012

STUTTGART Das Mittel „Megagrisevit“ sollte laut Hersteller krebskranken Menschen helfen. Birgit Dressel bekam es, um mehr Muskelmasse aufzubauen. Ein anderes Präparat wurde bei Epilepsie empfohlen. Auch dies fand sich in den Krankenakten der deutschen Siebenkämpferin. Am 10. April 1987 starb Dressel nach drei Tagen unter qualvollen Schmerzen in der Uniklinik Mainz. Todesursache war ein toxisch-allergischer Schock. Unmengen von Medikamenten hatten ihren Organismus überfordert.

Dressels Tod ist eines der dunkelsten Kapitel der deutschen Sportgeschichte. Jenseits der menschlichen Tragödie offenbarte er erstmals, wie viel auch im westdeutschen Sport geschluckt und gespritzt wurde. Der „Spiegel“ wertete 1987 das rechtsmedizinische Gutachten zu diesem Fall aus („Ein Dokument des Schreckens“). Über 100 Medikamente und mehr als 400 Injektionen ließen sich bei der nur 26 Jahre alt gewordenen Athletin allein für die letzten zwei Jahre ihrer Behandlung durch den Freiburger Arzt Armin Klümper nachweisen.

Der Fall Dressel war hierzulande stets von Verdrängung und Verharmlosung geprägt. Ein Jahr nach dem Tod der gebürtigen Bremerin wurde der Sprintstar Ben Johnson bei den Olympischen Spielen in Seoul mit dem anabolen Steroid Stanozolol im Körper erwischt. Die gleiche Substanz hatte nachweislich auch die EM-Vierte von 1986 genommen. „Auf Johnson haben in Deutschland alle mit dem Finger gezeigt“, sagt der Dopingexperte Werner Franke. Bei Dressel sei „nichts Besonderes nachgekommen. Dabei hätte Dressel als letztes Alarmzeichen dienen müssen.“

Das passierte nicht. Von einem Innehalten oder einer Schockwirkung nach Dressels Tod konnte im deutschen Sport lange kaum die Rede sein. Eine „mäßige Bewusstseinsänderung“ („Süddeutsche Zeitung“) trat erst nach der Wende und der Enthüllung des DDR-Dopings ein.

Für Dressel kam das zu spät. „Birgit ist ein Opfer der Pharma-Industrie“, klagte Hermann Dressel nach dem Tod seiner Tochter an.

Die damals in Mainz lebende Athletin hatte am 8. April 1987 mit starken Schmerzen in der Lendenwirbelgegend das Training abgebrochen. Ihr Trainer und Lebensgefährte Thomas Kohlbacher sprach später von einem „Hartspann“, laut Franke eine der häufigsten Nebenwirkungen bei Anabolika-Doping. Nur wusste keiner der 24 Ärzte, die am Ende um Dressels Leben kämpften, dass sie solche Mittel genommen hatte. Vielmehr pumpten sie laut Gutachten noch einmal viele weitere Medikamente in einen ohnehin schon überlasteten Körper hinein.

Belangt wurde für Dressels Tod niemand. In dem Gutachten heißt es zwar: „Die sportärztlich durchgeführte Therapie wird angesichts der außergewöhnlichen Zahl und der unterschiedlichsten Arten von Kombinationspräparaten und Fremdeiweißapplikationen als nicht mehr überschaubar angesehen.“ Doch ein „fahrlässiges und damit schuldhaftes Verhalten“ sei Ärzten wie Klümper „nicht nachzuweisen“.

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