Hannover - Niedersachsens Innenminister Boris Pistorius (SPD) plant im Vorfeld der nächsten Bundesliga-Saison einen Fußball-Gipfel zu Gewalt rund um Stadien und zum gefährlichen Missbrauch von Pyrotechnik. „Ich will auch mit denen sprechen, die keine Stimme haben – dem Fan mit Schal, der nur Fußball sehen und kein Trommelfell verlieren will, weil neben ihm ein Böller explodiert“, sagte Pistorius am Montag. Pistorius nervt, dass oft nur Ultras und die Anhänger zu Wort kommen, die sich an Pyrotechnik und Choreographien begeistern. „Ich will eine Verschiebung dieser öffentlichen Diskussion“, lautet die Vorgabe des Innenministers: „Wir brauchen eine Allianz derjenigen, die nur Fußball sehen wollen.“
Sorgen bereitet dem Innenminister gerade die 2. Liga mit vielen Nord-Clubs und Hitzköpfen aus dem Osten, wie beispielsweise das Umfeld von Dynamo Dresden. Nach dem gesicherten Aufstieg des Vereins gab es gewalttätige Krawalle. Die Bilanz: 15 verletzte Polizisten und 300 Dresden-„Fans“ in Gewahrsam.
KOMMENTAR: „Überfällig“ von Hans Begerow
„Das kann eine sehr lebhafte Zweitliga-Saison werden, sicher fußballerisch, aber auch aus polizeilicher Sicht“, betont Pistorius, der beispielsweise auch an solche Hochsicherheits-Begegnungen wie Hannover gegen Braunschweig denkt. Kämen noch Osnabrück und Bremen oder der Hamburger SV hinzu, wäre es noch brisanter für die Sicherheit rings um niedersächsische Stadien.
Für Gewalt rund um Fußballspiele und für Pyro-Fans „muss es Grenzen geben“, sagt der Minister („Da sind zehn, die so etwas machen, und 10 000, die dadurch gefährdet werden.“), und verweist auf ein besonders erschreckendes Ereignis in Münster. Dort musste ein Zuschauer mit schweren Vergiftungserscheinungen in die Klinik, weil Anhänger von Preußen Münster sogenannte Rauchtöpfe anzündeten, die gefährliche Dämpfe freisetzten.
