Wildeshausen - Die schönste Nebensache der Welt beschäftigt in diesen Wochen nicht nur eingefleischte Fußball-Fans. „Auf den ersten drei Plätzen liegen derzeit Frauen, die ansonsten nichts mit Fußball zu tun haben“, berichtet Horst Köster von der Kreisverwaltung in Wildeshausen, der für mit 19 Kollegen und Freunden ein WM-Tippspiel organisiert.
„Auch bei uns stehen nicht die ausgesprochenen Experten auf den vorderen Plätzen“, sagt Ludger Voet von Agrarfrost in Aldrup. An dem WM-Tippspiel beteiligen sich 107 Mitarbeiter. An den Berufsbildenden Schulen in Wildeshausen läuft ein Tippspiel mit 30 Personen. „Das schöne ist, dass das Tippspiel immer für Gesprächsstoff abseits schulischer Themen sorgt“, meint Gerd Laing. „So ein Tippspiel fördert die Gemeinschaft im Betrieb“, ist Ludger Voet überzeugt.
Im Kreishaus gibt es mehrere Tippgemeinschaften, weiß Horst Köster. Der 57-Jährige organisiert zum vierten Mal bei einer WM oder EM ein Tippspiel. „Vor dem ersten Anstoß hat jeder Teilnehmer alle Spiele der Vorrunde getippt“, erklärt Köster. Dazu kamen Fragen wie: Wer wird Weltmeister? Wer kommt ins Endspiel? Wer wird Torschützenkönig? Jeden Abend wertet Köster zu Hause die Spielergebnisse in einer Excel-Datei aus und verschickt sie per E-Mail an die Mitspieler. Für einen exakten Tipp gibt es zehn Punkte, für die Tendenz fünf und für einen Sieg-Tipp drei. Einmalig hat jeder Mitspieler zehn Euro Startgeld bezahlt. Der Sieger bekommt die Hälfte des Topfes, der Zweite 20 Prozent, der Dritte zehn. Weitere zehn Prozent werden ausgelost und zehn Prozent für einen guten Zweck gespendet, in diesem Fall die Krebshilfe.
Wurden die WM- oder EM- Ergebnisse bei Agrarfrost früher auf sogar Tapeten notiert und ausgerechnet, läuft das Tippspiel inzwischen auf einer Internetplattform, berichtet Ludger Voet. „Dort werden alle Tipps automatisch ausgewertet, so dass jeder Mitspieler sofort sehen kann, wie der momentane Stand ist.“ Jeder Mitspieler habe ein Passwort und könne so noch kurz vor dem Spiel seinen Tipp abgeben. Aber auch auf den Bildschirmen in der Kantine, der Verwaltung und der Produktion würde die aktuelle Tabelle des WM-Spiels eingeblendet.
Das Startgeld bei Agrarfrost beträgt fünf Euro. Der Sieger erhält 50 Prozent, der Zweite 30 Prozent und der Dritte 20 Prozent, so Voet. „Die Firma hat zudem Sachpreise wie WM-Bälle, DVDs und Kartenspiele organisiert.“
Ins Internet verlagert hat auch die BBS ihr Tippspiel. „Früher musste ich jeden Tag alle Ergebnisse auswerten, oft noch in der Nacht, damit ich am nächsten Morgen die aktuelle Tabelle im Lehrerzimmer aushängen konnte“, erzählt Gerd Laing. Über das Internet sei das wesentlich angenehmer, weil dort die Tipps automatisch ausgerechnet würden. Wie Voet sieht auch Laing den verbindenden Charakter in solchen Tippspielen. „Das ist eine nette Sache, weil bei uns nicht nur Lehrer, sondern auch Sekretärinnen, Hausmeister sowie Angehörige beteiligt sind.“
Wie im Kreishaus werden auch bei Agrarfrost und in der BBS nicht nur die Spielergebnisse getippt, sondern unter anderem auch, wer Gruppensieger wird, ins Endspiel einzieht und Weltmeister wird. „Bei diesen Fragen sind schon einige ins Hintertreffen geraten, so Horst Köster; denn viele Tipper hatten Spanien vorne auf der Liste. Gerd Laing hatte England als neuen Weltmeister getippt. Doch damit wird es ja nun nichts mehr.
