Es war fraglos keine leichte Aufgabe für die deutschen Nationalspieler, sich auf Fußball konzentrieren. Die Debatte rund um die Wüsten-WM im Allgemeinen und der Eklat rund um die „One Love“-Binde im Speziellen boten so viel Zündstoff, dass das an keinem Sportler vorbeizieht – und die verheerenden Reaktionen aus der Heimat auf das Einknicken des DFB gegenüber der Fifa kommen natürlich auf den Smartphones im Emirat an.

Auch wenn es nahezu zwangsläufig kritische Töne für das Mund-zu-Teamfoto am Mittwoch gab: Die deutschen Spieler waren damit die ersten Fußballer, die bei dieser WM als Team ein sichtbares Zeichen gesetzt und eine (kleine) Botschaft in Richtung der Fifa gesendet haben. Weder England noch Dänemark, Frankreich oder die Niederlande, die das Tragen der „One-Love“-Binde ursprünglich ebenfalls geplant hatten, sind so einen Schritt gegangen.

Beim obligatorischen Mannschaftsfoto setzt die DFB-Elf ein Zeichen gegen die FIFA.

WM-AUFTAKT GEGEN JAPAN „Wäre besser, Mund aufzumachen!“ So reagiert das Netz auf das DFB-Zeichen gegen die FIFA

Julian Reusch
Oldenburg

Als Ausrede für die Auftaktpleite können die Störgeräusche derweil nicht dienen. Die Flick-Elf kam gegen Japan gut ins Spiel, war überlegen, hätte mindestens das 2:0 erzielen müssen – aber es fehlt halt ein echter Torjäger. Das viel zu zaghafte Verteidigen vor dem 1:1 und das geradezu leichtfertige Verhalten von Nico Schlotterbeck und Niklas Süle vor dem 1:2 offenbarten dann eine Schwäche, die nicht neu ist: In der Abwehr fehlt einfach das internationale Spitzen-Niveau – und dass Gegner zurück ins Spiel gelassen werden, die lange keine Chance hatten, ist zum Beispiel zuletzt in der Nations League gegen England bereits passiert.

Japans Ritsu Doan trifft zum zwischenzeitlichen 1:1.

FUSSBALL-WELTMEISTERSCHAFT Pleite zum WM-Auftakt – Deutschland unterliegt Japan

Klaus Bergmann Arne Richter Florian Lütticke Dpa
Al-Rajjan

 

Allenfalls Antonio Rüdiger hat so ein Format. David Raum und Schlotterbeck zahlen noch viel Lehrgeld. Und dass Niklas Süle, eigentlich ein kantiger Innenverteidiger, nun nicht nur in Dortmund, sondern auch im Nationaldress rechts hinten aushelfen muss, zeigt das Dilemma. Dass diese Abwehr sich gegen die technisch brillanten und spielerisch raffinierten Spanier am Sonntag so stabilisieren kann, dass die Nationalelf das zweite WM-Gruppenphasen-Aus in Folge noch vermeiden kann, ist sehr unwahrscheinlich.