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Integration Fußballspielen mit Freunden aus aller Welt

Rahel Arnold

Schortens - Der Himmel hängt voller dunkler, grauer Wolken, der Rasen ist vom Regen der vergangenen Tage aufgeweicht, Licht findet nur spärlich den Weg zum Boden. Grell-weiß leuchten die beiden Tore auf dem Bolzplatz hinter dem Aqua Toll in Schortens. Das Thermometer klettert nur mühsam auf zehn Grad.

Für das Fußball-Team um Keanu Schattevo, Alina Sassen, Florian Lammers und Niko Kieselhorst spielt das alles keine Rolle. Gemeinsam trainieren hier Flüchtlinge aus Syrien und Eritrea mit ihren Freunden aus dem Jeverland. „Wir sind inzwischen schon richtig zusammengewachsen“, sagt Alina Sassen, die sich um die Organisation kümmert. „Das Einzige, was uns wirklich unterscheidet, ist die Sprache“, hat die 18-Jährige in den vergangenen Wochen festgestellt.

Die Idee für eine Integrationsmannschaft hatte Keanu Schattevo vor etwas mehr als einem Monat. „Ich wusste, dass es so ein ähnliches Projekt in Wilhelmshaven gibt und dann dachte ich, warum nicht auch in Schortens“, sagt er. Gesagt, getan. Er nutzte das soziale Netzwerk Facebook und fragte dort nach Mitspielern. Alter egal, Herkunft auch egal.

„Beim ersten Training hatten sich fünf, sechs Leute angekündigt, es kamen zwölf“, sagt Keanu Schattevo. Der 19-Jährige hat Fußball-Fachwissen, spielte zuletzt beim Heidmühler Fußballclub (HFC). Wegen einer Verletzung musste er das aktive Spielen aufgeben.

Regelmäßig Training

„Wir haben nach dem ersten Training alle Namen und Telefonnummern eingesammelt und gleich eine Whats-App-Gruppe gegründet“, erzählt er. Seitdem treffen sich die Mitspieler regelmäßig zum Kicken und Trainieren: Warmlaufen, dribbeln, zielen, Tore schießen, in Mannschaften spielen. Heute stehen Neftalem, Biniam, Florian, Bechar, Mohamed, Biniam, Anbebe und Filimon auf dem Platz. Keanu Schattevo und Alina Sassen beobachten das Training vom Spielfeldrand aus. „Das macht uns allen richtig viel Spaß“, sagt Keanu Schattevo. Das Team sei hoch motiviert, nur einmal sei das Training wegen extrem schlechter Wetterprognose ausgefallen. „Da haben alle in der Gruppe sofort weinende Smileys geschickt“, sagt Keanu Schattevo und grinst.

Mit der Verständigung klappt es inzwischen ganz gut, einer der Flüchtlinge spricht etwas Deutsch, er übersetzt das Organisatorische für die anderen. Auf dem Platz helfen ein Sprachmix und Hände und Füße. „Ich bin beeindruckt davon, wie entspannt alles läuft“, sagt Keanu Schattevo. „Sie akzeptieren mich und meine Freunde als Trainer – und das, obwohl sie einige Jahre älter sind als wir“, sagt er. Und manche seien richtig talentiert – „einer kann schnell laufen, ein anderer dribbelt wahnsinnig gut“.

Alles hat das Fußball-Team auf Spenden aufgebaut, einem Verein gehören sie nicht an. „Ich war überwältigt von der Hilfsbereitschaft und möchte hier im Namen von uns allen noch mal Danke sagen“, betont Keanu Schattevo: Bälle, Kleidung, Hütchen, Leibchen und Netze sind gespendet worden. „Einer hat auch mal Pizza für uns alle vorbeigebracht und ein Ehepaar brachte uns Getränke“, berichtet Alina Sassen.

Nun benötigt die Mannschaft aber nichts mehr: „Wir haben alles, was wir brauchen, den Rest wollen wir uns selbst erarbeiten“, sagt Keanu Schattevo. Geplant ist, dass die Mannschaft weiter trainiert und in Zukunft zu Freundschaftsspielen einlädt. „Da könnten wir dann von den Zuschauern ein bisschen Eintritt nehmen und irgendwann haben wir genug Geld für einen eigenen Satz Trikots. Da stehen dann die Namen drauf und jeder darf sich eine Nummer aussuchen“, erklärt Keanu Schattevo. Derzeit ist er auf der Suche nach einer Möglichkeit, die der Mannschaft erlaubt, in den Wintermonaten in einer Halle zu trainieren. Bis dahin treffen sie sich auf dem Bolzplatz und trainieren bis zum Einbruch der Dunkelheit.

Anfeindungen wegen ihres Engagements für die Flüchtlinge stecken Keanu Schattevo und seine Freunde weg: „Die Flüchtlinge sind Menschen, die viel durchgemacht haben. Niemand kann sich aussuchen, wo er geboren wird“, betont er. Deswegen kann er fremdenfeindliche Äußerungen nicht nachvollziehen. „Solche Leute nerven, ich konzentriere mich deswegen lieber auf die, die uns unterstützen.“

Weitere Spieler gesucht

Erstmals hat die Mannschaft auch bei der langen Fußballnacht in Schortens mitgespielt: „Wir wussten vorher, dass es sehr schwer wird, weil wir erst angefangen haben zu trainieren und dort starke Mannschaften spielen“, sagt Keanu Schattevo. „Wir haben zwar leider nicht gesiegt, aber wir sind trotzdem stolz auf unsere Jungs und werden nun ordentlich trainieren, um beim nächsten Mal ein besseres Ergebnis zu erzielen.“

Die Fußballer suchen auch noch Mitspieler, die sich unter Tel. 0170/60 57 698 melden können.

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