GANDERKESEE - Die erste Frage an diesem Nachmittag hat Gerold Sprung: „Soll ich Euch siezen oder duzen?“, fragt der frühere Gemeindedirektor und Bürgermeister der Gemeinde. Er hat noch Farbe an den Fingern. Im Hause Sprung wird gerade gestrichen. Er lacht. Wie so oft.
Philipp Glahe und Solveig Backhaus, die beiden Vorsitzenden des Ganderkeseer Jugendparlaments, haben Sprung eingeladen, um mit ihm über aktuelle jugendpolitische Themen zu sprechen.
Auf seine Frage nach der Anrede antworten die Jugendlichen prompt: „Duzen“. Das gilt selbstverständlich nur für Gerold Sprung, die beiden Fragesteller bleiben respektvoll beim „Sie“.
„Warum sind Sie in die Politik gegangen?“, will Solveig Backhaus als erstes wissen. Sprung überlegt einen kurzen Moment und antwortet dann: „Ich komme aus einem sehr konservativen Elternhaus. Da wurde nicht über Politik geredet. Zur Politik kam ich, als ich eine Lehre bei der Stadtverwaltung von Delmenhorst anfing. Ich wurde gleich Jugendvertreter der Gewerkschaft.“
Philipp Glahe fragt: „Ist Politik nicht auch gefährlich? Man kann so viele Fehler machen. . .“
Gerold Sprung: „Nichts ist ohne Risiko. Sonst darf man ja nichts anfassen. Das sieht man doch schon bei Euch: Ihr könntet doch auch jetzt gerade etwas anderes machen. Aber ihr habt mich angerufen und eingeladen. Das finde ich toll.“
Solveig Backhaus fragt nach der Bedeutung des Sports für die Jugend. „Sport ist für alle wichtig. Er bringt Menschen zusammen und ebnet Wege“, so Sprung.
Ganter-Cup ist Vorbild
Solveig Backhaus nutzt ihre Frage, um die Handball-Ortsmeisterschaften anzusprechen. „Ist sowas nicht auch für andere Sportarten machbar?“, fragt sie. „Es ist schwer, so ein Modell auf andere Sportarten zu übertragen. Aber sowas wie der Ganter-Cup während der WM – das war eine tolle Sache.“
Philipp Glahe wird wieder politisch, fragt: „Warum sind sie Kommunalpolitiker geblieben?“ Antwort Sprung: „Ich wollte im Rathaus bleiben und Verwaltung machen. Gemeindedirektor war zuerst das höchste der Gefühle. Und dann wurde ich Bürgermeister. Mir hat der direkte Kontakt zu den Bürgern sehr gefallen.“
Solveig Backhaus kommt auf den Konflikt zwischen Wirtschaft und Umwelt zu sprechen. Sprung zögert. Dann sagt er: „Bei der Verfolgung wirtschaftlicher Interessen besteht die Gefahr, dass die Umwelt zu kurz kommt. Da greift der Satz: Politik ist die Fähigkeit, Kompromisse zu finden.“
Dann will Philipp Glahe wissen: „Was waren Ihre schwierigsten Momente in der Politik?“ Gerold Sprung wirkt nachdenklich: „Wenn verzweifelte Menschen zu mir kamen – und ich ihnen nicht helfen konnte. Weil die Gesetze es nicht zuließen. Da waren mir die Hände gebunden.“
Philipp Glahe hakt nach: „Wie hat Sie die Politik verändert?“ Sprung: „Der Beruf hat mir viel Selbstbestätigung gebracht. Aber in eurem Alter war ich nicht so selbstbewusst wie ihr jetzt. Das musste ich mir hart erarbeiten.“
Eine Jugend-Woche
Die beiden Jugendlichen haben keine Fragen mehr. Als das Gespräch eigentlich schon zu Ende ist, kommt Gerold Sprung nochmal zur Sache. Beim Gang zur Tür kommt ihm eine Idee: „Veranstaltet doch einfach mal eine Disco. Zum Beispiel im Rathaus. Oder ein Musical. Oder vielleicht eine Jugend-Woche. Menschenskinder, es gibt soviele Möglichkeiten.“
