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Ganderkeseer Hat 222 Mal Im Harz Gestempelt Das Wandern ist des „Kaisers“ Lust

Ganderkesee - Prinzen und Prinzessinnen hat Ganderkesee zuhauf – jedes Jahr zum Fasching kommen neue hinzu. Einen Kaiser jedoch gibt es im Ort noch nicht, da hat Horst Scherschanski ein Alleinstellungsmerkmal: Als „Harzer Wanderkaiser“ Horst XXI. gehört der Ganderkeseer seit Kurzem zum Kreis derjenigen, die alle 222 Stempelstationen an den Wanderwegen im Harz erreicht haben.

Als er vor wenigen Wochen am Grumbacher Teich bei Hahnenklee den 222. Stempel in das letzte freie Feld seines Wanderheftes drückte, sei das schon ein erhabenes Gefühl gewesen, erinnert sich der 69-Jährige. „Der Titel Wanderkaiser dokumentiert eine Leistung“, sagt er. Eine Urkunde und die „Harzer Wandernadel“ auf einem kleinen Granitstein gab es dafür. Den ersten Stempel holte er sich am Brocken – sieben Jahre ist das her: Bei einer Wanderung auf dem Hexenstieg wurde der Ganderkeseer seinerzeit erstmals auf die Stempelstationen aufmerksam. Sie sind über den ganzen Harz verteilt, alle paar Kilometer steht eine.

Immer wieder in den Harz

Das Wandern ist Scherschanskis Lust schon sehr lange. Und der Harz auch: Seit mehr als 30 Jahren verbringt er seine Urlaube dort, früher mit der ganzen Familie, später, als die drei Söhne nicht mehr mitfuhren, nur mit seiner Frau Linda. Aber die reist jetzt lieber an die See oder zur Mosel – auch da kommt ihr Mann gern mit, um zu wandern. Die meisten Harz-Wanderungen in den vergangenen Jahren unternahm Scherschanski, der auch Gründungsvorsitzender und langjähriger Sportwart der SG Bookhorn war und in dem Verein zeitweise eine Wandergruppe leitete, mit Harald Segelhorst, seinem Freund seit gemeinsamen Schulzeiten.

Jedes Jahr fuhren die beiden für eine knappe Woche in den Harz und bezogen an wechselnden Stellen Quartier – möglichst immer dort, wo noch viele nicht besuchte Stempelstationen waren. „Morgens sind wir um 9 Uhr losmarschiert und waren abends um 19 oder 20 Uhr wieder in der Pension“, berichtet Harald Segelhorst. Jeden Tag legten sie 30 bis 40 Kilometer zurück. „Mit Verlaufen noch mehr“, ergänzt Scherschanski lächelnd. Denn verlaufen haben sich die beiden oft – die Ausschilderung der Harzer Wanderwege sei nicht immer auf den ersten Blick nachvollziehbar, wissen sie aus langjähriger Erfahrung.

Lieber nicht allein

So eine Wanderwoche habe ihm stets 20 bis 30 neue Stempel beschert, sagt Horst Scherschanski. Zwischendurch fuhr er immer mal wieder mit seiner Frau in den Harz zum Wandern und auch allein war er noch einige Male unterwegs. Wobei: „Allein im Harz zu wandern, kann gefährlich werden“, weiß Harald Segelhorst, der schon einmal beim Überqueren eines Baches ins Wasser stürzte. Da war er froh, seinen Wanderkameraden Scherschanski bei sich zu haben. Und nach dem Unfall trafen sie glücklicherweise auf einen Harztouristen, der sie ins Quartier fuhr.

Interessante Begegnungen beim Wandern gab es immer wieder: „Man trifft viele Gleichgesinnte“, erzählt Horst Scherschanski. Darunter waren auch echte „Harzer Wander-Legenden“ wie Helmut Engelmann, der „Turbo-Wanderkaiser“, der die 222 Stationen an nur 21 Tagen erwandert hat, oder Benno Schmidt, besser bekannt als „Brocken-Benno“, weil er den höchsten Berg im nördlichsten deutschen Mittelgebirge schon 8780 mal bestiegen hat. Von einem solchen Status ist der Ganderkeseer weit entfernt: „Wanderkaiser“ wie ihn gibt es knapp 5800 – Scherschanski war der 5763., der alle 222 Stationen abgeklappert hat.

Mehr Zeit zum Schauen

Und nun? Horst Scherschanski wird weiterhin im Harz wandern. „Ich war und bin ein großer Harz-Fan“, betont der Rentner. Was er an der Region besonders schätzt: „Man kann schnell hinkommen, das Wandern dort ist bekömmlich und die Steigungen sind nicht so anstrengend wie zum Beispiel in den Alpen.“ Scherschanski interessiert sich auch sehr für die Geschichte des Harzes, für die Sagen und Mythen um Hexen und Teufel. Fortan will er nicht mehr so viel Strecke machen, sondern sich Zeit nehmen für Sehenswertes, etwa den Bergbau und die Harzer Wasserwirtschaft. „Ich muss beim Wandern jetzt nicht mehr so verbissen sein“, meint der Ganderkeseer „Wanderkaiser“. Ein neues Stempelheft hat er sich aber schon besorgt.

Hergen Schelling
Hergen Schelling Redaktion für den Landkreis Oldenburg (Leitung)
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