GANDERKESEE - Für Bastienne Bischof ist der Moment nach dem Absprung das schönste, wenn sich für kurze Zeit das Gefühl der Schwerelosigkeit einstellt. „Für mich ist es einfach befreiend, aus eigener Kraft fliegen zu können“, erklärt Bastienne, die am Sonntag ihren 18. Geburtstag feierte.

Bastienne ist Leichtathletin der LGG Ganderkesee und trainiert seit drei Jahren bewusst den Hoch- und den Weitsprung. „Ich wusste, dass ich in diesen Disziplinen bei den Deutschen Meisterschaften der Gehörlosen mehr Chancen auf Erfolge haben würde“, meint die gehörlose Leichtathletin. Mit dieser Einschätzung sollte sie recht behalten, denn in den letzten drei Jahren holte sie bei den Gehörlosenmeisterschaften insgesamt sechs Goldmedaillen im Hoch- und eine im Weitsprung. Ihr größter Erfolg war der dritte Platz im Hochsprung, auf den sie sich 2008 bei der Gehörlosenweltmeisterschaft im türkischen Izmir katapultierte.

Angefangen hat Bastienne vor rund zwölf Jahren – damals noch in der Kinderleichtathletik. Bastiennes Mutter Birgit Bischof war zu dieser Zeit Trainerin einer Delmenhorster Leichtathletik-Gruppe. „Da ich damals noch zu klein war, um alleine zuhause zu bleiben, hat sie mich immer mitgenommen. Irgendwann war ich dann alt genug, um in ihrer Gruppe mitzumachen – bei den Großen, die einige Jahre älter als ich waren“, so Bastienne. Der Sport hat ihr gleich soviel Spaß gemacht, dass sie dabei blieb und mit elf Jahren zur LGG nach Ganderkesee wechselte.

Die Leichtathletik ist zu einem wichtigen Teil von Bastiennes Leben geworden. Sie trainiert zwei- bis dreimal in der Woche. Dazu kommen Ausdauer- und Krafttraining. „Ich finde immer wieder interessant, ob mein Körper die Leistung erbringen kann“, beschreibt die 18-Jährige.

Ihr Körper kann es und das hat er schon oft unter Beweis: Im Juni gewann sie Gold im Hoch- und Weitsprung bei den Deutschen Meisterschaften der Gehörlosen und im September führte ihr Weg zu den „Deaflympics“, der Olympiade der Gehörlosen, nach Taiwan. Hier belegte sie mit 1,53 Metern den fünften Platz im Hochsprung und mit 5,13 Metern den achten Platz im Weitsprung. „Die Deaflympics haben mich sehr geprägt, da ich mit Sportlern aus anderen Sportarten drei Wochen lang zusammen sein konnte“, erinnert sich Bastienne. Gern denkt sie auch an die niedersächsischen Landesmeisterschaften der Hörenden zurück, bei denen sie 2008 antrat und eine persönliche Hochsprung-Bestleistung aufstellte. „Es war für mich einfach ein tolles Erlebnis, unter den besten aus Niedersachsen mitspringen zu dürfen.“

Bastienne sieht die Leichtathletik aber trotz der Erfolge als Hobby und möchte daraus keinen Beruf machen. „Mein Sport ist meine Ablenkung und mein Spaß“, erklärt die Schülerin. Ihr nächstes Trainingsziel hat sie sich bereits gesetzt: Die „Deaflympics“, die in vier Jahren in Athen stattfinden werden.