GANDERKESEE - Schock und Trauer beim Reiterverein Ganderkesee und weit darüber hinaus: Der tödliche Unfall der Vielseitigkeitsreiterin Tina Richter-Vietor am Sonnabend bei den Deutschen Meisterschaften in Schenefeld „hat uns wie ein Schlag getroffen“, sagte RVG-Vorsitzender Stefan Schnier am Sonntag. Auch Bürgermeisterin Alice Gerken-Klaas reagierte betroffen: „Tina Richter-Vietor hat Ganderkesee bekannt gemacht“, erklärte sie. „Sie war eine hervorragende Reiterin – deshalb konnte man mit so einem Unfall überhaupt nicht rechnen.“

Die 32-jährige Ganderkeseerin war nicht nur eine starke und erfolgreiche Reiterin, sondern auch eine sehr besonnene, die kein Risiko einging: „Sie hat schon mal gesagt: ,Heute gehe ich lieber nicht ins Gelände’“, berichtete RVG-Pressesprecherin Bettina Behrens.

Besonders riskant war der Parcours in Schenefeld aber offenbar nicht. Richter-Vietor verunglückte am zweiten Hindernis, als ihr Wallach „Paulchen Panther“ sich überschlug und die Reiterin aus dem Sattel katapultierte. „Das war ein ganz einfacher Sprung“, meinte Bärbel Auffarth. Die Vorsitzende des Kreisreiterverbandes Delmenhorst war in unmittelbarer Nähe, als das Unglück passierte – ebenso die Eltern der Reiterin: „Die Mutter war als eine der ersten am Unfallort.“ Die Familie hatte Tina Richter-Vietors reitsportliche Karriere von Beginn an unterstützt. Robert Vietor gilt als großer Förderer der heimischen Reiterei.

Unter Schock steht auch Bärbel Auffarths Tochter Sandra, mit der zusammen Tina Richter-Vietor vor drei Wochen erst im Weser-Ems-Team die Deutsche Mannschaftsmeisterschaft der Vielseitigkeitsreiter gewonnen hatte. Beide waren „ein Aushängeschild für den Verein“, so der RVG-Vorsitzende Schnier. „Sie war ein Vorbild für die Jugend“, ergänzt Bärbel Auffarth.

Zahlreiche Titel und Platzierungen auf nationaler wie internationaler Ebene hat Tina Richter-Vietor im Laufe ihrer Karriere errungen (siehe auch Berichte im Sportteil). Und mit ihren Erfolgen konnte die Ganderkeseerin auch die NWZ -Leser beeindrucken: Sie wählten die Vielseitigkeitsreiterin vor viereinhalb Jahren zur „Sportlerin des Jahres 2002“ im Landkreis Oldenburg. Über das Votum – fast ein Viertel der Wähler stimmten für sie – hatte sie sich damals unheimlich gefreut. Sport, S.9