Ganderkesee/Schönemoor - In den Nistkästen des Naturschutzbundes (Nabu) ging es drunter und drüber in diesem Jahr: So viele junge Schleiereulen wie noch nie tummelten sich darin. Von einem Rekordjahr spricht Nabu-Eulen­experte Hansjürgen Festerling aus Oldenburg: Während in den vergangenen Jahren 400 bis 500 Jungtiere in den 280 Nistkästen im Oldenburger Land schon als beachtlich galten, wurden in diesem Jahr 1150 neugeborene Eulen gezählt (siehe auch Seite „Oldenburger Land“).

Woran das liegt? Ganz einfach: „Die Nahrung ist da, und zwar im Überfluss“, erklärt Ganderkesees Nabu-Ortsvorsitzender Hans Fingerhut. Schleiereulen fressen Mäuse – und deren Population ist in den vergangenen beiden trockenen Jahren geradezu explodiert. „Die Vögel erkennen das und wissen dann, dass sie auch noch eine zweite Brut großziehen können.“ Nach der ersten Aufzucht im Frühjahr habe es in vielen der 30 Eulen-Nistkästen des Nabu in der Gemeinde Ganderkesee im Juli noch eine Nachzucht gegeben, hat Fingerhut beobachtet.

Hansjürgen Festerling weiß sogar von einigen Drittbruten. Hinzu komme, dass in diesem Jahr auch die Größe der Bruten aus dem Rahmen falle: „In manchen Kästen haben wir acht bis zehn Jungtiere gezählt“, zeigt sich Hans Fingerhut begeistert. „Normal sind vier bis sechs Eier.“ Die Entwicklung freut die Nabu-Experten auch, weil die Schleiereule vor 40 Jahren in Norddeutschland kurz vor dem Aussterben stand.

Dass es jetzt wieder so viele Tiere dieser Art gibt, hat aber auch ungewollte Nebenwirkungen – wie zum Beispiel beim Reit- und Fahrverein Schönemoor, dessen Hallen derzeit von Schleiereulen im wahrsten Sinne unsicher gemacht werden. „Die Vögel machen unsere Pferde scheu“, beklagt Vereinsvorsitzender Arthur Baumfalk vor allem mit Blick auf die Sicherheit der vielen Kinder, die in Schönemoor reiten. Bei einer Vereinsveranstaltung am vergangenen Wochenende sei es zu mehreren kritischen Vorfällen gekommen, berichtete Baumfalk.

Dass es gerade mit den Eulen diese Probleme in der Reithalle gibt und weniger mit anderen Vögeln, Tauben etwa, liege am unterschiedlichen Tag-/Nachtrhythmus, erklärt Hans Fingerhut: „Die Eulen kommen in die Halle, um dort tagsüber zu ruhen. Wenn dann der Reitbetrieb losgeht, fühlen sie sich gestört.“ Und dass es gerade im Bereich Schönemoor besonders viele Schleiereulen gibt, liege an den vielen Weideflächen in der Gegend – dort ist für sie der Tisch mit Mäusen ungleich reichhaltiger gedeckt als auf Ackerflächen.

Fingerhut und Festerling haben sich in der vergangenen Woche beim Reit- und Fahrverein Schönemoor umgeschaut. Sie empfehlen eine Absicherung der Hallen mit Netzen. Außerdem wolle der Nabu seine Eulen-Nistkästen jetzt in weiterer Entfernung vom Vereinsgelände aufhängen, sagte Fingerhut. Ansonsten hofft er auf die Wirkkräfte der Natur: Nachdem es in den vergangenen Wochen viel geregnet hat, könne davon ausgegangen werden, dass zahlreiche Mäuse in ihren Gängen ertrunken sind – im nächsten Sommer dürfte bei den Schleiereulen also wieder Schmalhans Küchenmeister sein, was sich wiederum stark auf das Brutverhalten auswirken werde.

Hergen Schelling
Hergen Schelling Redaktion für den Landkreis Oldenburg (Leitung)