GANDERKESEE - Einmal mit richtigen Fußball-Profis trainieren: Diesen Traum dürfen sich über 80 Kinder und Jugendliche in dieser Woche auf dem Gelände des TSV Ganderkesee zumindest zum Teil erfüllen. Denn sie werden während des Trainingslagers „Kids Active“ von ehemaligen Profis betreut.
Unter ihnen ist ein früherer Nationalspieler und Teilnehmer einer Fußballweltmeisterschaft. 1982 stand Uwe Reinders im Kader der Mannschaft beim Turnier in Spanien. Derzeit scheucht er die Nachwuchs-Fußballer und -Fußballerinnen aus der Gemeinde Ganderkesee und aus Hude über den grünen Rasen.
Nicht nur für große Talente
Sein Kollege Willi Mense spielte mit ihm bei Werder Bremen. „Leider auf der gleichen Position“, sagt Mense heute. Deshalb habe er häufiger auf der Bank Platz nehmen müssen. In Ganderkesee ist er dafür der Kopf der Betreuer-Mannschaft, zu der außerdem Norbert Siegmann (unter anderem ehemals Werder Bremen und VfB Stuttgart) und ab Donnerstag auch Torsten Gütschow (ehemals Dynamo Dresden und Hannover 96) gehören.
Ziel des viertägigen Trainingslagers sei es nicht, die talentiertesten Kinder zu fördern, sagte Willi Mense, der bereits rund 15 000 Kinder trainiert hat, am Dienstag. „Wir wollen die erreichen, die es nötig haben. Also die, denen das Selbstbewusstsein fehlt. Ihnen wollen wir den Spaß am Fußball vermitteln.“
Erreicht werden soll dies nicht nur über verschiedene Trainingseinheiten. Die Sechs- bis 13-Jährigen bekommen von ihren Trainern auch umfangreiche Taktikschulungen und müssen die harte Schule der Regelkunde durchlaufen. „Wir versuchen bei allem, dass jeder am Ende mit einem guten Gefühl nach Hause geht. Dafür sollen sich die Kinder gegenseitig motivieren. Kritik ist deshalb bei uns fehl am Platze.“
Rot-weiße Kleidung
Bei der Eröffnung des Trainings-Camps am Dienstagmorgen wirkte es zunächst wie ein heilloses durcheinander. Alle Kinder standen in Werder-, Dortmund- oder Barcelona-Trikots mit ihren Eltern um die Betreuer herum und warteten darauf, dass ihr Name aufgerufen wird. Bald schon hatten die Fußballer jedoch einheitliche rot-weiße Kleidung an, wurden den Altersgruppen nach in verschiedene Gruppen eingeteilt und durften die ersten Übungen am Ball machen.
Um während der Trainingswoche Abwechslung in den Kicker-Alltag zu bekommen, gibt es für die Kleinen dann in den Pausen auch noch ein Fußball-Bingo und andere Animationsspiele. Wichtig ist aber neben all dem Spaß eins: „Wir machen alle 45 Minuten lange Trinkpausen“, so Willi Mense. Darüber hinaus hat er bei der Eröffnung alle Eltern daran erinnert, ihre Kinder intensiv mit Sonnenschutz einzucremen.
Ein anderer Wind wehte da schon bei Uwe Reinders: Kinder, die im Schalke-Trikot aufgelaufen sind, mussten sich gefallen lassen, dass sie dafür auf den Arm genommen wurden – alles natürlich mit einem Augenzwinkern. Denn wer mit einem Profi trainieren will, muss auch seine Marotten hinnehmen. Bei ihm und seinen Kollegen geht dafür alles ohne Erfolgsdruck. Willi Mense: „Ich halte es für kontraproduktiv, sie schon in dem Alter unter Druck zu setzen.“
