GANDERKESEE - Als die Bundesrepublik noch jung war, war Kegeln die Lieblingsbeschäftigung der Deutschen. Wie Pilze schossen Clubs und Vereine in den Nachkriegsjahren aus dem Boden – auch in der Gemeinde Ganderkesee.
Diese Zeiten sind längst vorbei. Es scheint, als hätte das Kegeln seine Aufgabe erfüllt – und wird nicht mehr gebraucht. In allen Vereinen und Clubs sind die Mitgliederzahlen seit einigen Jahren stark rückläufig.
Dieser Trend ist nun auch in Ganderkesee angekommen. Erstes deutliches Zeichen: Vereine bilden Spielgemeinschaften, weil sie alleine nicht mehr genug Mitglieder zusammen bekommen. Alfred Ordemann (51) von den Sportkeglern Immer bestätigt: „Wir haben uns im vergangenen Jahr mit Ganderkesee zusammengeschlossen, damit wir bei Punktspielen noch genug Leute haben.“
Bahn wird geschlossen
Nicht nur die Vereine haben Einbußen, auch die Gastronomen trifft diese Entwicklung. Die Gaststätte „Backenköhler“ in Stenum schließt als Folge jetzt eine ganze Kegelbahn. „Die Bahn ist nur noch schwach besetzt. Wir reißen sie ab und bauen dort einen neuen Gastraum für bis zu 130 Gäste an“, erklärt Inhaber Uwe Vosteen (47) im Gespräch mit der NWZ . „Die Zahl der Kegelsportler hat sich in den letzten zehn Jahren bei uns halbiert“, so Vosteen weiter.
Diese Entwicklung bestätigt auch Wirtskollege Gerhard Menkens (42) vom „Grünen Hof“ in Hoykenkamp: „Als ich den Betrieb 1999 übernahm, waren bei uns noch 38 Kegelclubs, die Bahnen waren von 14 bis 23 Uhr ständig belegt. Heute sind es nur noch 21 Clubs.“
Nachwuchs fehlt
Als Grund für das Verschwinden der klassischen Kegelclubs und -vereine macht Gerhard Menkens einen starken Nachwuchsmangel aus. „Die Bowling-Center in Delmenhorst und Wildeshausen sind für junge Leute einfach attraktiver“, gesteht er ein. Kegeln wirke bei jungen Leuten oft verstaubt und altmodisch.
Dennoch: Der 1920 gegründete Verein KSC Hoykenkamp spielt seit 30 Jahren erfolgreich in der zweiten Bundesliga. Mit Gerhard Menkens als Vorsitzendem an der Spitze. Er wagt angesichts stetig sinkender Mitgliederzahlen aber eine düstere Prognose: „Das Kegeln stirbt vielleicht aus.“ Dem widerspricht auch Wirtin Gabi Krafft (46) vom Gasthof „Zum Bookholzberg“ nicht: „Auch bei uns geht das Kegeln zurück.“
In den Abgesang stimmt auch Johann Schulz (74) vom KSC Bookholzberg ein. „Delmenhorst ist das beste Beispiel. Vor wenigen Jahren spielten hier noch 1000 Mitglieder. Heute sind es noch 300“, sagt Schulz. Der Rentner macht bei der Jugend „Bewegungsmangel“ und „zu viele Pfunde“ für das fehlende Interesse am Sport im Allgemeinen und das Kegeln im Besonderen aus. Heute kegeln in Bookholzberg noch 15 Aktive, früher waren es bis zu 40.
Mitglieder sterben weg
Eins steht fest: Das Durchschnittsalter im Kegelsport steigt immer mehr an. „Der Sport veraltert“, sagt August Reinekehr (70), seit 38 Jahren Mitglied im Ganderkeseer Kegelclub „Rechts ran“. „Unsere Mitglieder sterben einfach weg“, so Reinekehr. Bei den Ganderkeseer Sportkeglern waren früher 30 Aktive, heute seien es nur noch zehn.
