Ganderkesee - Deutschlands Sportvereine stehen vor einer Herkulesaufgabe. Vielerorts bröckeln seit Jahren die Mitgliederzahlen. Auch auf Landesebene, im Landkreis und in Delmenhorst ist das so. Und in Ganderkesee? Vor allem kleinere Vereine scheinen vom Mitgliederschwund betroffen, zeigen aktuelle Daten des Kreissportbundes (siehe Kasten). Doch andere Vereine haben kaum Federn gelassen oder legten sogar zu. Gibt es also doch ein Rezept gegen die Nebenwirkungen von demografischem Wandel, Ganztagsschule und Vereinsmüdigkeit?

„Du musst Ideen sammeln: Was kann ich anbieten?“, schildert Uwe Vogel, Vorsitzender des TSV Ganderkesee, seinen Ansatz. Der TSV-Vorstand hatte sich 2012 in einem Seminar mit dem demografischen Wandel befasst. Eine Erkenntnis: „Man muss Qualität anbieten, bei den Übungsleitern und auch bei den Sportanlagen.“

Hans Knese (VfL Stenum) stimmt zu: „Es hängt ganz viel von den Personen ab, die da zuständig sind.“ Ein Vorsitzender „muss immer da sein, horchen, wo läuft es, wo nicht.“ Gute Trainingsbedingungen sprächen sich schnell herum, „da geht man hin“. Wichtig: „Wenn möglich, darf keine Stunde ausfallen.“

Schon vor Jahren hatte der TSV Ganderkesee ein Kursprogramm aufgelegt, um auch Menschen anzusprechen, die mit Vereinen nichts am Hut haben. „2013 hatten wir da 50 Prozent Zuwachs“, berichtet Vogel. Durch die Kurse könnten die Teilnehmer ein Stück weit den Verein und die Menschen im Verein kennen lernen – und vielleicht später eintreten. Auch, weil dann die Kursteilnahme günstiger ist.

Viele Kurs-Angebote des TSV seien trendbezogen – wie Zumba, Bokwa, auch Cross-Training. Aber nicht nur Trendiges, auch Traditionelles sei gefragt: Der Verein will Kinderturnen für Acht- bis 15-Jährige in neuer Form auflegen, „da machen wir uns gerade auf den Weg“.

Eigentlich sei heute von größeren Vereinen auch ein Fitnessraum vorzuhalten, denkt Knese. Doch er warnt: Da sei ständige Betreuung nötig, „das kostet“. Nicht ohne Stolz verweist er auf niedrige Beiträge beim VfL.

Vogel ist überzeugt, dass der TSV auch mehr zu den Menschen kommen sollte, durch Kooperationen mit Schulen („da haben wir zwei FSJler“), in Senioreneinrichtungen (etwa für Stuhlgymnastik), vielleicht in Betriebe. Und er müsse Angebote außerhalb des Sports machen, wie etwa das Singen mit Günter Stolle: „Gemeinschaft, das ist es.“

In einem lässt Vogel keinen Zweifel: Es sei zentrale Aufgabe aller Sportvereine, dass die Vereinslandschaft erhalten bleibt. Es sei herauszuarbeiten, welche Service-Leistungen die großen für die kleinen übernehmen könnten.