Garrel - Im Garten toben ihre drei Kinder umher – alle in Deutschlandtrikots. Mittendrin steht die 28-jährige Mexikanerin Gabriela Lara. Sie lebt seit zehn Jahren in Garrel. Trotzdem möchte sie am Sonntag, 17. Juni, die mexikanische Fußballmannschaft anfeuern. Denn ab 17 Uhr bestreitet die deutsche Nationalmannschaft ihr erstes WM-Spiel gegen Mexiko im Luschniki-Stadion in Moskau.
„Ich bin zwar nicht fußballbegeistert, aber dafür sportbegeistert“, sagt Lara. Seit 2015 ist die Fitnesstrainerin Geschäftsführerin des Sport-, Tanz- und Bewegungszentrums „Group Fitness“ in Garrel. „Trotzdem, wer guckt sich die Weltmeisterschaft nicht an? – Das ist ein Muss“, sagt sie. Schon einmal habe Lara ein Spiel gesehen, bei dem die Mannschaften beider Länder gegeneinander gespielt haben: „Da hat Mexiko verloren, das weiß ich noch ganz genau, weil ich mir ein paar Sticheleien anhören musste.“ Das mache ihr aber nichts aus. Denn Lara hat den großen Vorteil, dass sie beide Mannschaften anfeuern kann.
„Ich habe zwei Heimaten. Und wenn Mexiko verlieren sollte, dann würde ich mich natürlich auch für die deutsche Mannschaft freuen“, sagt die junge Frau. Für ihren Bruder, der in Mexiko lebt, sei es vorbei mit der WM-Stimmung, wenn seine Mannschaft rausfliegt. „Ich kann dann hoffentlich noch weiter anfeuern und für die Deutschen jubeln“, freut sich die 28-Jährige. Genauso machen es ihr Mann Michael und ihre drei Kinder auch. Warum muss man sich denn auch für eine Mannschaft entscheiden, wenn man beide anfeuern kann?
Bereits 13 Mal sind die beiden Nationalmannschaften aufeinandergetroffen. Sechs Siege konnte Deutschland verbuchen, die mexikanische Mannschaft nur einen. Sechs Spiele gingen unentschieden aus. Wird die Partie am kommenden Sonntag für die deutsche Nationalelf also ein Leichtes? „Ich kann mir gut vorstellen, dass Deutschland gewinnt, auch wenn mir die Vorstellung gerade noch nicht so gut gefällt – 2:1 vielleicht“, schätzt die Mexikanerin.
Das WM-Spiel wird Lara aber nicht in Garrel gucken. „Ich bin am Sonntag mit einigen Mitarbeitern auf einer Fortbildung in Dortmund“, sagt sie. Dort werde sie zum Public Viewing gehen. „Mein grünes Trikot und die Mexikoflagge nehme ich auf jeden Fall mit“, sagt Lara. Vor allem sei sie gespannt, wie viele Trikots ihres Heimatlandes sie währenddessen sehen wird. „Das Wichtigste ist aber, dass alle gemeinsam und friedlich Spaß haben können, so wie es sich beim Sport und bei sportlichen Veranstaltungen gehört“, betont die junge Frau.
Die Vorrundenspiele der deutschen Mannschaft überträgt übrigens Jürgen Tabeling, Wirt des „Schallander“. Dafür sollen im Biergarten und in der Kneipe große Fernseher aufgestellt werden. Kommt Deutschland ins Halbfinale oder Finale, wird möglicherweise ein Public Viewing auf dem Busparkplatz in Garrel angeboten. Die Genehmigung der Gemeinde liegt vor.
