Ausdrücklich hatte Rolf Kruse in der Einladung zu seinem 80. Geburtstag an diesem Mittwoch darauf hingewiesen: „Keine Blumen und keine Geschenke“ solle man ihm mitbringen. Stattdessen bat er darum, der „Tafel“ in Ganderkesee Geld zu spenden. „Ich habe in meinem Leben gelernt, was Hunger heißt“, sagt der Vater, Großvater und Urgroßvater.
In der Nachkriegszeit, in britischer Gefangenschaft in Schleswig-Holstein und Brüssel, hatte er Hunger leiden müssen: „Bei meiner Entlassung war ich stark runtergehungert.“ 1944 war der gebürtige Huder als Soldat nach Berlin gekommen.
Nach dem Krieg war der gelernte Einzelhandelskaufmann im väterlichen Wein- und Spirituosengeschäft in Hude tätig. 1956 wurde er Berufssoldat. Im Zuge seiner miltärischen Laufbahn war der Oberstabsfeldwebel auch vier Jahre in Belgien tätig. Bei seiner Pensionierung 1980 war er in Adelheide stationiert.
Seit 1974 lebt der nun 80-Jährige mit seiner zweiten Frau Irmgard, die er 1972 geheiratet hatte, in einem Haus in Ganderkesee. Nachdem Kruse 1980 in den vorgezogenen Ruhestand gegangen war, engagierte er sich im Breitensport. Beim Niedersächsischen Leichtathletik-Verband (NLV) war er als Volkslaufwart tätig. Die Anzahl der Volksläufe hatte er in 13 Jahren ungefähr vervierfacht. „Wir in Niedersachsen waren damals führend in Deutschland“, sagt Kruse.
1993, mit 66 Jahren, beendete der Ganderkeseer seine Tätigkeit beim NLV. „Ich wollte nicht altersstarsinnig an meinem Stuhl kleben“, sagt er. Zu seiner Verabschiedung war sogar der ehemalige Spitzenathlet und das Präsidiumsmitglied des Deutschen Leichtathletik-Verbandes, Manfred Steinbach, anwesend. Im gleichen Jahr kamen die ersten Anzeichen der Parkinsonschen Krankheit bei ihm auf, an der der 80-Jährige bis heute leidet.
Am Sonntag, 16. September, feiert das Mitglied des DRK und des BTB mit über 90 Verwandten, Bekannten und Sportkameraden in Mosigs Landhaus Bissen. Geschenke wird dann nur die „Tafel“ bekommen.csc
Rolf Kruse
Pensionär
