Cloppenburg - Immerhin, einen Löwen müssen sie nicht erwürgen. Und neun Köpfe hat auch keine ihrer Gegenspielerinnen. Wenn Trainerin Tanja Schulte das Spiel der Bundesliga-Fußballerinnen des BV Cloppenburg bei Turbine Potsdam (Sonntag, 14 Uhr) als Herkules-Aufgabe bezeichnet, ist das dennoch keine Übertreibung. Schließlich trifft ihre Mannschaft nicht nur auf einen der erfolgreichsten Vereine im Frauenfußball, sondern vor allem auf eine Elf, die sich im Titelrennen keinen Ausrutscher mehr erlauben kann. Nach dem 0:2 beim Dritten VfL Wolfsburg braucht der mit Spitzenreiter 1. FFC Frankfurt punktgleiche Zweite unbedingt einen klaren Sieg.
Schließlich ist es möglich, dass das Torverhältnis den spannenden Dreikampf um den Titel entscheidet. Die Trefferdifferenz könnte aber auch im Abstiegskampf – der BVC ist drei Spieltage vor Schluss zwei Punkte vom rettenden Ufer entfernt, und die Konkurrenten TSG Hoffenheim (zu Hause gegen Frankfurt) sowie MSV Duisburg (Heimspiel gegen Bayern München) stehen auch vor schweren Aufgaben – noch von zentraler Bedeutung sein. Aber auch nur, wenn der BVC noch punkten sollte. „Wieso sollte es nicht in Potsdam klappen, wir glauben an unsere Chance“, sagt Schulte.
Mut macht der 39-Jährigen, dass ihr Team zuletzt gut gespielt und dreimal in Folge nicht verloren hat. Zudem erinnert sie sich gerne an das Hinspiel. Am 1. Dezember hatte es ihr Team dem haushohen Favoriten schwergemacht, am Ende allerdings mit 1:3 den Kürzeren gezogen.
Im Winter war die Stimmung gut, was sie trotz der schlechten Aussichten zu Beginn der Woche ebenfalls war. Am Pokalendspiel-Wochenende hatte Schulte den Spielerinnen frei gegeben, so dass diese mal wieder den Kopf frei bekommen und Kraft tanken konnten. Allerdings drückt inzwischen ein Trainingsunfall Kea Eckermanns auf die Stimmung. Die Verteidigerin, die zur neuen Saison zum Erstliga-Aufsteiger Herforder SV wechselt, hat sich das Knie verdreht und sich einen Kreuzbandriss mit Innen- und Außenbandanriss sowie Meniskusriss zugezogen.
Alle anderen Spielerinnen sind einsatzbereit, und Schulte sieht „kaum Gründe“, ihre erste Elf zu ändern. Zumindest eine Änderung vornehmen muss dagegen Bernd Schröder. Der bekannte Trainer Turbines muss auf Genoveva Anonma verzichten, die in Wolfsburg wegen unsportlichen Verhaltens Rot gesehen hatte (die NWZ berichtete).
„Aber Mittelfeldspielerin Julia Simic und Stürmerin Ada Hegerberg werden wohl dabei sein“, sagt Schulte. „Die waren im Hinspiel besonders stark.“ Die beiden haben zwar nicht mehrere Köpfe wie die Hydra, der sich Herkules in der griechischen Mythologie stellen musste. Aber manchmal spielen sie so stark, als hätten sie neun Beine . . .
