Glasgow - Nach dem souveränen EM-Triumph des Deutschland-Achters dachte Uwe Bender schon eine Nummer größer. Australien sei „richtig stark“, sagte der Bundestrainer, als seine acht „Muskeltiere“ noch immer ihren Gold-Coup von Glasgow feierten, und auch das Boot der USA sei stets gefährlich. „Aus Übersee kommt große Konkurrenz auf uns zu“, sagte Bender und machte klar, was von nun an zählt für das deutsche Paradeboot: der Titel bei der WM im bulgarischen Plowdiw (9. bis 16. September), im nächsten, wichtigsten Rennen der Saison.
Angst, so viel steht seit den European Championships fest, muss das Flaggschiff des Deutschen Ruderverbandes (DRV) vor keinem Gegner haben. Zu ungefährdet war der Gewinn der sechsten EM-Goldmedaille in Folge. Nun steht Großes bevor: Mit einer erfolgreichen Titelverteidigung in Plowdiw kann der Achter seine zweite „perfekte“ Saison in Folge ohne Finalniederlage perfekt machen.
Kein Wunder, dass längst Erinnerungen an jenen Achter wach werden, der von 2009 bis zum Olympiasieg 2012 vier Jahre ungeschlagen blieb. Richard Schmidt, der schon beim Triumph in London mit im Boot saß, sieht durchaus Parallelen. „2017 und 2018 sind nah dran an dem, was damals passiert ist. Wir haben eine ähnliche Qualität. Wir können noch Großes erreichen“, sagte Schmidt.
Die Konkurrenz aus Europa hat das deutsche Paradeboot derzeit im Griff. Zwar hatten die Briten das DRV-Boot im Juni beim Weltcup in Linz im Hoffnungslauf geschlagen, das Finale gewann dennoch Deutschland.
Kämpfen müssen in Bulgarien auch die übrigen DRV-Boote, die in Glasgow allesamt am Podest vorbeifuhren. Die Aussichten sind allerdings deutlich besser, allen voran der Doppelvierer der Frauen in seiner Stammbesetzung und auch die in Glasgow geschonte Einer-Hoffnung Oliver Zeidler (Ingolstadt) sind für Medaillen gut. „Insgesamt war die EM natürlich etwas enttäuschend für uns. Von der WM versprechen wir uns mehr“, sagt der leitende Bundestrainer Ralf Holtmeyer.
Bei der nächsten Multi-EM in vier Jahren solle ebenfalls die erste Garde an den Start gehen. „Wenn das Format in dieser Form weitergeführt wird, dann müssen wir zukünftig auch die Planung danach ausrichten“, sagte Holtmeyer, der zugab, dass „die zweite Garnitur ein bisschen überfordert“ war.
