GORLEBEN - GORLEBEN/DPA - Nicht nur der WM-Ball soll im Juni rollen, auch die Castor-Transporte: Trotz der Fußball-WM sind in diesem Jahr Castortransporte ins niedersächsische Gorleben geplant. Der französische Atomtechnikkonzern Cogema wolle zwölf Atommüllbehälter in das Gorlebener Zwischenlager bringen, teilte die Bürgerinitiative Umweltschutz Lüchow-Dannenberg gestern mit.
Das niedersächsische Innenministerium wies die Darstellung zurück: Noch sei nichts entschieden, sagte ein Sprecher. Der niedersächsische Innenminister Uwe Schünemann (CDU) hatte gefordert, mit Rücksicht auf die Arbeitsbelastung der Polizei im Jahr der Fußball-WM auf Atommülltransporte zu verzichten.
Bis 2010 plant die Cogema nach Angaben der Bürgerinitiative, 48 Castoren aus der Wiederaufbereitungsanlage im französischen La Hague nach Gorleben zu transportieren. Zwölf sollten noch in diesem Jahr verschickt werden.
Die Transportpläne für Atommüll aus dem britischen Sellafield seien dagegen unklar, weil die behördliche Genehmigung für einen Behältertyp noch ausstehe, hieß es. Schünemann hatte sich dafür ausgesprochen, die Transporte in diesem Jahr auszusetzen. Durch die Fußball-WM fielen für die Polizei Überstunden an. Zusätzliche Einsätze zum Schutz der Transporte würden die Beamten nach Ansicht Schünemanns an die Grenzen ihrer Kapazität bringen. Der Sprecher des Innenministeriums widersprach der Darstellung, Schünemanns Forderung sei nicht gehört worden: „Wir stehen über das Bundeskanzleramt mit den Franzosen in Verhandlungen.“
Derweil haben zwei Atomkraftgegnerinnen entschieden, morgen für ihre Überzeugung ins Gefängnis zu gehen. Weil sie das nach einer Castor-Blockade gegen sie verhängte Bußgeld nicht bezahlen wollen, sei gegen sie nun Erzwingungshaft angeordnet worden, berichtete die im Wendland ansässige Initiative „X-1000mal quer“.
