Hude - „Uff, ah, urg“ – ein rotgesichtiger, muskelbepackter Kerl liegt schnaufend auf einer Pritsche. Der Schweiß rinnt ihm vom Gesicht. Daneben stehen zwei schmale Jungen. Auch sie haben heute eine schwere Last zu tragen. Allerdings mit mehr Fassung.
Unterricht mit Butterfly
Es es Dienstagnachmittag. Die Peter-Ustinov-Schule hat den Unterricht ins Huder Fitnesscenter verlegt. Muskelaufbau statt Kopfrechnen. Butterfly und Beinpresse statt Zirkel und Geodreieck. Zweimal die Woche findet hier ein Nachmittagsangebot für sportbegeisterte Jungen und Mädchen statt. Die Nachfrage ist so groß, dass es zwei Gruppen gibt.
Robin und Henning trainieren bereits das zweite Halbjahr ihren Bizeps unter Anleitung von Trainer Carsten Rosenthal. „Den ersten Erfolg konnte man schon nach drei Wochen sehen“, erzählen die Neuntklässler stolz. Vor allem an den Oberarmen und am Bauch sind den 15-Jährigen schon nach kurzer Zeit neue Muskeln gewachsen. Dabei handelt es sich weniger um einen glücklichen Zufall, als mehr um gezieltes Training: „Nach einer anfänglichen Körperanalyse wird für jeden ein individuelles Programm zusammengestellt“, erklärt Carsten Rosenthal. Natürlich gehöre auch etwas Disziplin dazu.
Eisernes Training
Daran fehlt es den insgesamt 26 Schülern jedoch nicht. Robin, der sich eine „sichtbare Bauchmuskulatur“ wünscht, Clemens, der gerne ein bisschen weniger wiegen möchte, oder Lukas, der fürs Handballtraining fit bleiben will, arbeiten eisern an ihren Zielen. Trotz Lernstress und Nachmittagsunterricht. „Das ist auch ein Ausgleich zum vielen Sitzen und man kann den Frust abbauen“, sagt Clemens.
Drei Durchläufe an verschiedenen Geräten sind auf den Trainingskarteikarten der Neuntklässler vorgesehen. In den zwei Schulstunden kommt also keine Langeweile auf. Nur das obligatorische Aufwärmen macht den Jugendlichen nicht so viel Spaß. „Gibt Spannenderes, als hier rumzustrampeln“, sagt Henning und tritt trotzdem fleißig in Pedale des Cardio-Bikes.
Sichtbare Erfolge
Nach einer Viertelstunde darf er dann mit dem Beintraining anfangen. Ganz am Ende – als krönender Abschluss – geht es an die Hanteln. „Man arbeitet sich von den großen zu den kleineren Muskelpartien vor“, fachsimpelt Carsten Rosenthal, der inzwischen zum fünften Mal das Nachmittagsangebot für die Oberschüler anleitet. Ob Jugendliche, Hausfrauen oder Bodybuilder – für den Huder macht es keinen Unterschied, wen er trainiert. „Egal ob Rückenleiden oder Gewichtsprobleme – wir nehmen jeden mit seinem Anliegen ernst“, erklärt er.
„Bei mir soll man schon was am Körper sehen, ein bisschen macht man das ja auch wegen der Mädchen“ gesteht Robin und schnappt sich seine Gewichte. Früher hat der 15–Jährige Basketball und Tischtennis gespielt. Jetzt geht er nur noch ins Fitnessstudio. Aber übertreiben wolle er auch nicht: ein „Sixpack“ à la Brad Pitt muss nicht sein. Schließlich soll auch noch Zeit für Freunde und Familie bleiben. Neben ihm schnauft noch immer der rotgesichtige Muskelprotz einsam auf seiner Liege. Im Gegensatz zu ihm ist für Robin und seine Mitschüler gleich Schluss. Aber dann stehen noch die Hausaufgaben an. Schließlich wollen sie in allen Bereichen fit bleiben.
