GROßENKNETEN - Es muss eine einsame Jagd sein: Über Feldwege, Schotterpisten und Wasserlöcher zieht es den weißen Citroen der Ziellinie entgegen dann eine Fahrt über befestigte Straßen, danach das Ganze wieder von vorn und kein Gegner weit und breit in Sicht. Auf dem Fahrersitz der Oldenburger Christian Riedemann, daneben die Belgierin Lara Vanneste, die aus einem Buch ablesend, fortwährend auf Riedemann einredet.
Es ist eine außergewöhnliche Variante von Rennsport, die Riedemann betreibt. Eine sehr taktische. Und eine, die viel Akribie und Zeitaufwand von Pilot und Beifahrer fordert. Riedemann ist Rallyefahrer und dominiert derzeit in der deutschen Meisterschaft: Drei Siege in drei Rennen hat er in der 2WD-Wertung herausgefahren. Damit führt er die Klasse der zweiradgetriebenen Fahrzeuge an.
Es ist ein Rennen gegen die Stoppuhr, die Gegner gehen nacheinander auf die Strecke. Der große Reiz liegt sicher in der Vielschichtigkeit des Sports, sagt der 24-Jährige. Anders als bei der Formel 1 etwa, fahre man nicht bloß im Kreis. Auch der Untergrund verändere sich stetig: laubbedeckte Straßen, Schotterpisten, Wiesen um darauf zu bestehen, bedarf es einer aufwendigen Vorbereitung.
Zweimal fährt Riedemann eine Strecke vor dem Rennen mit seiner Partnerin ab. In einem Buch werden Kurvenradien und Bodenverhältnisse minuziös aufgelistet mit Hilfe dieses Strecken-Buches, aus dem der Beifahrer abliest, orientiert sich der Fahrer beim Rennen. Gebetsbuch nennt Riedemann, der in Großenkneten bei Exxon-Mobil arbeitet, dieses Hilfsmittel.
Aufgewachsen ist der Rallye-Fahrer in Sulingen, südlich von Bremen. Dort sammelt er seine ersten Erfahrungen im Rennsport. Zehn Jahre fährt er bei der dortigen Motorsportgemeinschaft Kart. Mit acht bestreitet er sein erstes Rennen, qualifiziert sich außer im ersten Jahr stets für die deutsche Meisterschaft. Mit 18 Jahren wechselt er in den Rallye-Sport. Anfangs unterstützt ihn Vater Jürgen als Beifahrer. Rallye ist ein Teamsport, sagt Christian Riedemann. Der Beifahrer macht 50 Prozent aus.
Die Erfolge stellen sich schnell ein: Unter anderem gewinnt er 2009 den ADAC-Rallye-Junior-Cup. Drei Jahre unterstützt ihn die Stiftung des ADAC, die auch schon junge Talente wie den späteren Formel 1-Weltmeister Sebastian Vettel förderte.
Das erklärte Ziel von Riedemann ist es, ein Cockpit bei der Rallye-Weltmeisterschaft zu ergattern. Allerdings beteiligen sich nur drei Autohersteller an dem Wettbewerb wer mitfahren will, muss oft neben Talent auch Sponsoren und Geld mitbringen.
Riedemann will seinen Traum nicht aufgeben: Noch bin ich jung genug. Am 12. Mai startet er bei der Sachsenrallye in Zwickau um seinen vierten Sieg im vierten Rennen einzufahren. Und um seinem Traum wieder ein Stückchen näher zu kommen.
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