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Wassersport Seefahrer-Geschichten von Sturm und Siesta

GROßENSIEL - Über dem Sportboothafen liegt hochsommerliche Stille, das Wasser ist glatt wie ein Spiegel. Hier, am WSV-Steg hinten links, wohnen Claus und Marlene Tatje. Ihr Zuhause heißt Siesta, und Claus Tatje hat es selbst gebaut. Das war damals in den 70ern bei Asbestos.

Die Geschichte vom Bau des Hubkielers Siesta ist eine von Dutzenden, die der 75-Jährige erzählen kann. Claus Tatje ist Segler durch und durch, aber eben auch ein begnadeter Geschichtenerzähler. Seine schönsten Geschichten handeln von seiner Frau Marlene und von seiner Leidenschaft Segeln, die ihn nicht loslässt.

Mit Jolle baden gegangen

Eine seiner ältesten Geschichten geht so: Mit 14 war er Mitglied des Segelclubs Nordenham (SCN). Zusammen mit seinem 7 Jahren jüngeren Bruder Jürgen ging er mit der Vereinsjolle baden. Seine Mutter kam in höchster Sorge mit Kittelschürze auf dem Fahrrad angefahren, der Verein erteilte ihm sechs Wochen Segelverbot. Doch die Leidenschaft blieb.

1951 begann Claus Tatje auf der Bremerhavener Seebeckwerft eine Lehre zum Schiffbauer und begeisterte sich so sehr für den Fußball, dass er das Segeln ließ. Letztlich war es seine Frau Marlene, die ihn zum Segeln zurückbrachte. Sie war die Schwägerin des Nordenhamer Juweliers Hermann Mosel, und der kaufte Anfang der 60er Jahre zusammen mit Claus Tatje in Itzehoe einen kleinen Jollenkreuzer namens Odin. Dieser Jollenkreuzer war eines der schönsten Boote im Großensieler Kutterhafen, erzählt Tatje, die meisten anderen Wassersportler hatten nur umgebaute Rettungsboote.

Hermann Mosel war es auch, der Claus Tatje das größte Segelabenteuer seines Lebens bescherte. Ein Kriegskamerad des Juweliers hatte auf der portugiesischen Atlantik-Insel Madeira den 12 Meter langen Einmaster Phoenix festgemacht, war aber nicht so geübt im praktischen Segeln. Da konnte Claus Tatje helfen. Er heuerte als Headman an, eine Art Mädchen für alles. War Sturm, hieß es: „Claus muss raus.“ Auch für die Hundewache zwischen Mitternacht und 4 Uhr morgens war er fest gebucht.

Kurs auf Agadir

Von Madeira ging‘s zu den Kanaren, von Lanzarote kamen sie wegen widrigen Windes nicht weg. Dann hielten sie auf Agadir an der südmarokkanischen Küste zu. Mit dem Landrover fuhren sie weiter bis nach Marrakesch, und dann auf der Phoenix die Küste hoch durch die Straße von Gibraltar. Zu Hause hatten seine Tochter Birgit und sein Sohn Dirk die Pocken, doch Kontakt konnte Tatje nicht halten, das Handy war noch nicht erfunden.

Als Claus Tatje nach Hause zurückkam, hatte er acht Kilo abgenommen. Zur Beerdigung seines Opas, der gerade gestorben war, passte sein schwarzer Anzug nicht mehr.

Bald heuerte Claus Tatje bei Asbestos an, und das war für ihn ein Glücksgriff. Eines Tages bat ihn sein Werkleiter, dem Vorstandsvorsitzenden aus Kanada Nordenham von der Wasserseite zu zeigen. Claus nahm seine Marlene mit, im Wurster Arm ließen sie den Jollenkreuzer trocken fallen. Dort kochte Marlene Tatje den Gästen Labskaus mit Spiegelei und roter Bete. Der Kanadier war so begeistert, dass er Claus Tatje erlaubte, zusammen mit seinem Bruder Jürgen auf dem Werk einen Hubkieler zu bauen.

Was der großzügige Chef nicht ahnte: Die beiden Tatjes bauten zwei Schiffe. Claus erledigte die Stahlbauarbeiten, Jürgen verlegte das Teakholz. Die neue Siesta – 9,30 Meter lang und 3 Meter breit – ist voll familientauglich. Vorne schlafen Marlene und ihr Enkel Neel, achtern die Tochter Birgit mit ihrem Mann Jörg („Fete“) Eilers, Claus in der Hundekoje und der andere Enkel Tim auf dem Sofa. Von Mai bis September verbringen Marlene und Claus Tatje fast jeden Tag hier. Schließlich war Claus Tatje fast 50 Jahre Stegwart oder Hafenmeister beim Wassersportverein (WSV).

Immer Hafenmeister

Das zeigte sich auch 1997, als die ganze Familie zehn Wochen auf der mecklenburgischen Seenplatte unterwegs war. In Wesenberg zeigte Claus Tatje einem Bootsführer sehr deutlich sein Missfallen über dessen Manövrierkünste. Wenig später erfuhr er, dass es sich dabei um den damaligen Ministerpräsidenten Berndt Seite gehandelt hatte. Claus Tatje kommentiert das heute trocken: „Einmal Hafenmeister, immer Hafenmeister.“

Henning Bielefeld
Henning Bielefeld Redaktion Nordenham (Stv. Leitung), Redaktion Stadland
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