GROSSENSIEL - GROSSENSIEL - Das Team des Kampfmittelbeseitigungsdienstes aus Hannover atmet auf. Von der Fünf-Zentnerbombe, die an der Hoffinger Helmer rund 6,50 Meter tief in der Erde steckt, geht keine Gefahr mehr aus. „Das ist ein Zerscheller“, sagt Michael Tillschneider. Lediglich der Kopf der 250 Kilogramm schweren amerikanischen Fliegerbombe sei noch vorhanden, der Rest samt Zündmechanismus und Sprengmittel bereits zerstört. Eine Evakuierung der Anwohner ist daher nicht mehr notwendig.

Noch unzählige Bomben aus dem Zweiten Weltkrieg befinden sich seit mehr als 60 Jahren bundesweit in der Erde. „Sie sind noch so frisch wie am ersten Tag“, weiß der 52 Jahre alte Sprengmeister um die Gefährlichkeit der mit tödlichem Sprengstoff gefüllten Stahlzylinder. Auch gebe es Bomben mit Langzeitzünder, die erst bis zu 134 Stunden nach dem Aufschlag detonieren sollten. Die eine oder andere explodiere noch nach Jahrzehnten.

In Nordenham ist es die vorletzte Fundstelle, die Tillschneider mit seinem Team aushebt. Im Abstand von 1,50 Metern haben sie fünf Meter riefe Löcher auf einer 36 Quadratmeter großen Fläche ins Erdreich gebohrt und den Untergrund sondiert. Mittels einer Computergrafik stellten sie die ungefähre Lage und Größe des Objektes fest. Ob die Bombe noch scharf ist, sei dabei nicht zu erkennen, so Tillschneider. Dafür müsse der Stahlkörper freigelegt werden.

Äußerst schwierig ist die Bergung des Findlings in Großensiel: Das Grundwasser drückt permanent in den ausgehobenen Schacht. Die Pumpen laufen auf Volllast. Dann die Gewissheit, dass es sich um einen Zerscheller handelt. Splitter und Bombenkopf werden geborgen und nach Munsterlager transportiert. „Wir arbeiten hier seit zwei Tagen“, sagt der Experte. Normalerweise sei so etwas an einem Tag erledigt.

Den Ort hatte ein Vermessungstrupp für den Kampfmittelbeseitigungsdienst des Landes Niedersachsen markiert. „Es liegen Luftbilder der Alliierten vor“, erzählt Tillschneider. Nach jedem Bombenangriff haben Briten oder Amerikaner die Abwurfstellen fotografiert, um die Schäden aufzunehmen. Sie werteten auch aus, ob tatsächlich alle Bomberbesatzungen ihre tödliche Fracht über dem Zielgebiet abgeladen hatten. Anhand der Luftbilder lasse sich erkennen, wo Blindgänger liegen könnten.

Der Sprengmeister befasst sich seit 30 Jahren mit explosiven Stoffen. Zunächst bei der Bundeswehr tätig, kam er schließlich zum Kampfmittelräumdienst. Das liegt 17 Jahre zurück. Der 52-Jährige hat während dieser Zeit fast 250 Bomben entschärft.

Auch wenn die sechs niedersächsischen Sprengmeister mit ihren Teams schon viele Blindgänger anhand der Luftaufnahmen gefunden und entschärft haben, können sie nicht sicher sein, dass ein Gebiet völlig freigeräumt ist. „Hin und wieder tauchen spätere Luftaufnahmen als die der uns vorliegenden Bilder auf“, merkt Tillschneider an. Dann müsse ein Gebiet erneut durchforstet werden.

Die Arbeit in Nordenham neigt sich indes dem Ende zu. Einen schwarzen Punkt auf einer der Aufnahmen müssen die sechs Männer noch abarbeiten. Er markiert vermutlich die Stelle eines Blindgängers beim Segelflugplatz in Blexen.