GRüNENKAMP - Zum Rücktritt von Landesbischöfin Käßmann hat sie eine Meinung, und sie weiß genau, welche deutschen Sportler bei der Olympiade in Kanada welche Medaillen gewonnen haben. Mit ihren 100 Jahren ist Elfriede Bredow aus Grünenkamp bestens informiert. Nach ihrem morgendlichen Spaziergang holt sich „Tante Elfriede“, wie sie von allen genannt wird, die Nordwest Zeitung aus dem Zeitungskasten. Sie nimmt sich viel Zeit fürs Lesen, streicht alles Wichtige an.
Als Elfriede Bredow am 3. März 1910 geboren wurde, war das Haus, in dem sie heute lebt, ein Nebenhaus des herrschaftlichen „Haus Grünenkamp“. 1880 war es von ihren Urgroßeltern Heder gebaut worden. Bewohnt wurde es anschließend von ihren Großeltern und Eltern Brauer. Wälder wurden angepflanzt, später kam die Zucht von Alpenrosen und Azaleen dazu. Elfriede Brauer wuchs dort mit ihrem älteren Bruder Edmund und ihrem Zwillingsbruder Werner auf. Einige Jahre gingen sie zur Volksschule Grünenkamp, später kümmerten sich Hauslehrer um die Ausbildung der Kinder. 1925 wechselte Elfriede Bredow auf die Cäcilienschule nach Oldenburg, 1930 legte sie das Abitur ab. Den Wunsch Tiermedizin zu studieren, musste sie aufgeben. „Das war damals als Frau nicht möglich“, erzählt sie. Stattdessen ging sie zunächst als Haustochter auf ein Gut in Schleswig-Holstein, anschließend absolvierte sie in Hamburg eine Ausbildung zur Krankenschwester. Sie war lange Jahre als Gemeindeschwester im Einsatz. 1937
heiratete sie den Holzkaufmann Fred Bredow, 1961 wurde sie Witwe. Bis 1972 arbeitete Elfriede Bredow in einem Krankenhaus in Bad Pyrmont. Als ihre Mutter krank wurde, kam sie zurück nach Grünenkamp und pflegte sie. Sie baute sich das Nebenhaus aus und blieb in Grünenkamp.
Zuerst zu den Hühner
Im Haupthaus wohnen mittlerweile ihr angeheirateter Neffe Hartmut Mayr und seine Frau Gretchen. Das Miteinander funktioniert gut. Während Elfriede Bredow ihren hohen Geburtstag als nichts Ungewöhnliches abtut, ist es Hartmut Mayr klar, wie sie so alt geworden und dabei so geistig rege geblieben ist. „Sie hat eine eiserne Disziplin und ist hart gegen sich selbst.“ Ein geregelter Tagesablauf mit festen Zeiten gehört dazu. So füttert sie morgens nach dem Aufstehen als erstes die Hühner, anschließend frühstückt sie, dann steht der Spaziergang um den großen Teich an. Und gewaschen wird sich seit jeher nur mit kaltem Wasser.
An Sport sehr interessiert
Bis zu ihrem 96. Lebensjahr war die Jubilarin im Turnverein Altjührden aktiv, und im Landfrauenverein war sie für ihr großes Interesse an vielen Themen bekannt. Ihr besonderes Interesse gilt dem Sport. Sie kommt ins Schwärmen, wenn sie von der Fußball-Weltmeisterschaft 1978 in Argentinien erzählt, zu der sie mit ihrem Neffen geflogen ist. „Wir waren jeden Tag im Stadion“, erzählt sie, „es war sehr amüsant“. Und noch heute sieht sie sich begeistert Fußballspiele im Fernsehen an.
