HAMBURG - Lob von allen Seiten erhielt Krasniqi trotz der Niederlage gegen Weltmeister Brewster. Ein Rückkampf ist möglich.
Von Gert Glaner
und Franko Koitzsch
HAMBURG - Kampf verloren, Titel verpasst, aber Millionen neue Fans gewonnen: Profi-Boxer Luan Krasniqi wurde trotz der Niederlage durch technischen K.o. in der neunten Runde gegen Schwergewichtsweltmeister Lamon Brewster am Mittwochabend in Hamburg wie ein Sieger gefeiert.In dem atemberaubenden Gefecht kam selbst der umtriebige Promoter Don King nicht mehr aus dem Staunen heraus: „Luan Krasniqi hat gekämpft wie ein echter Krieger. Er verdient eine zweite Chance“, meinte der Amerikaner Fähnchen wedelnd nachdem er seine Sprachlosigkeit überwunden und seine kreischende Lache wiedergefunden hatte. „Ich war in keiner Phase sicher, dass wir den Kampf gewinnen.“ Als Krasniqi völlig benommen in den Ringseilen hing, wurde Brewster von zwei Betreuern in seine Ringecke geschleppt. Später trugen ihn gleich vier ausgewachsenen Männer in die Kabine. Beide Kämpfer hatten bis zur völligen Erschöpfung aufeinander eingeprügelt.
Ausgerechnet an Max Schmelings 100. Geburtstag verschenkte der Schwabe den Sieg. Nach Punkten lag er bis zur achten Runde bei allen drei Kampfrichtern (+5, +3, +1) in Führung und ist dann „leichtsinnig geworden. Ich dachte, ich habe das Ding sicher“, gestand der 34-Jährige aus dem schwäbischen Rottweil, wo über 900 begeistert mitgehende Fans den Kampf auf einer Großbildleinwand verfolgten. Dass er sich nach dem schweren Niederschlag in der achten Runde („Ich wusste nicht mehr, wo vorn und hinten ist“) noch einmal zu Attacken in der neunten Runde aufraffen konnte, riss die Rottweiler und die 13 000 Zuschauer in der Color-Line-Arena von den Sitzen. „Luan hat gezeigt,
dass er kein Weichei ist. Irgendwann wird er den Titel holen“, meinte Promoter Klaus-Peter Kohl.
In die Schwärmerei stimmte auch Weltmeister Brewster ein: „Er ist ein fantastischer Kämpfer mit Kultur. Er war der technisch Beste, gegen den ich je geboxt habe.“ Ein Rückkampf wäre in Amerika möglich, solange es sich finanziell lohnen würde, sagte der Amerikaner. Mittwoch kassierte Krasniqi rund 1,5 Millionen Euro und der Titelverteidiger drei Millionen Euro als Börse.
Ex-Weltmeister Dariusz Michalczewski zog den Hut vor der Leistung des Unterlegenen. „Er hat fantastisch verloren.“ Der Geprügelte selbst hat sich nur eine kurze Ruhezeit verordnet: „Ich werde jetzt mit meiner Freundin wegfahren und will danach zurück in den Ring.“
