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NWZonline.de Sport

Hamburg              mistet Kader aus

30.03.2015

Hamburg Beim abstiegsbedrohten Hamburger SV hat das große Ausmisten begonnen. Der Club wird sich nach dem Ende der bislang so enttäuschend verlaufenen Spielzeit von mehreren Spitzenverdienern trennen. Prominenteste Namen sind Rafael van der Vaart und Marcell Jansen. Aber auch Ivo Ilicevic und Gojko Kacar müssen sich nach einem neuen Verein umsehen. Ihre zum Saisonende auslaufenden Verträge werden nicht verlängert.

„Rafael und Marcell wissen, dass wir mit ihnen keine Gespräche über eine Vertragsverlängerung führen werden“, sagte der Vorstandsvorsitzende Dietmar Beiersdorfer. Auch mit Ilicevic und Kacar werde es keine Gespräche mehr geben. „Es gibt immer mal Zeitpunkte, da ist es besser, getrennte Wege zu gehen“, betonte Beiersdorfer.

Die Kontrakte der Innenverteidiger Heiko Westermann und Slobodan Rajkovic enden ebenfalls. „Bei Heiko und Slobodan ist es noch offen, da haben wir die Entscheidung vertagt und es den Spielern so mitgeteilt“, sagte Beiersdorfer. Bei beiden könnte erst am Saisonende die Entscheidung fallen. Der HSV verfügt in Johan Djourou und Cléber über weitere Innenverteidiger; zudem kehrt der an Fortuna Düsseldorf verliehene Jonathan Tah zurück.

Unterdessen schlägt Karl Gernandt Alarm. Der Aufsichtsratschef sprach nach dem Absturz des Teams auf den Relegationsplatz, der einen Trainertausch von Josef Zinnbauer zu Sportchef Peter Knäbel zur Folge hatte, von einem „Worst Case“. Der HSV stecke „in einer wirklichen Existenzfrage“, meinte der 54 Jahre alte Wirtschaftsmanager. Aus den acht verbleibenden Spielen müssten mehr als sechs Punkte geholt werden. „Ansonsten weiß ich nicht, wie wir uns retten sollen.“

Ob sich der Plan verwirklichen lässt, Thomas Tuchel als Trainer für die nächste Saison zu verpflichten, konnte Gernandt nicht beantworten: „Es ist einer der attraktiven Namen, die zum HSV passen würden. Der HSV wäre bereit, ein Konzept mit Tuchel zu gehen.“

Fakt ist derzeit nur, wer gehen muss. Van der Vaart war 2012 für rund 13 Millionen Euro zum zweiten Mal verpflichtet worden. Doch der niederländische Nationalspieler läuft seiner früheren Form nur noch hinterher. Zuletzt drückte er häufig die Ersatzbank. Sporting Kansas City hat Interesse an dem 32-Jährigen. Jetzt wird spekuliert, ob van der Vaart bereits vor Saisonende in die USA wechselt. Beiersdorfer versucht, die Demontage des einstigen Fan-Lieblings zu begrenzen. „Rafael ist einer der besten und bedeutendsten Spieler der jüngeren HSV-Vergangenheit. Wir wollen ihm die Möglichkeit geben, nach seiner aktiven Karriere hierher zurückzukehren“, so der HSV-Chef.

Durch den Abschied des Niederländers und des verletzungsanfälligen Jansen, der einst acht Millionen Euro kostete und in dieser Saison nur elf Bundesliga-Spiele bestritten hat, kann der HSV seinen derzeit bei über 50 Millionen Euro stehenden Gehaltsetat deutlich verringern.

Ex-Profi Sergej Barbarez, der am Sonnabend am Abschiedsspiel für den Tschechen David Jarolim in Hamburg teilnahm, wunderte sich über die Dauerkrise: „Es wiederholen sich seit Jahren dieselben Sachen, egal wer da ist. Es fehlt eine Philosophie.“

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