Wie arm wäre Deutschland ohne das Ehrenamt! Leider werden es immer weniger Menschen, die an einer ehrenamtlichen Tätigkeit interessiert sind. Das gilt besonders dann, wenn es um Führungspositionen geht. Obwohl er „erst“ 49 Jahre jung ist, schaut sich Holger Jüchter schon nach einem jüngeren Nachfolger um, der ihn als Vorsitzenden der Handballspielgemeinschaft (HSG) Grüppenbühren/ Bookholzberg einmal ablösen könnte. „Bisher hat sich noch keiner gemeldet“, gibt er zu.
Aufgewachsen ist Holger Jüchter mit seinen drei älteren Geschwistern in Klingenhagen (Grüppenbühren). Schon in jungen Jahren hatte er einen großen Freundeskreis, der bis heute Bestand hat. „Wir sind einfach gerne zusammen und können auch tüchtig feiern“, schwärmt Holger. In wenigen Wochen werden sich alle wieder bei einer großen Party treffen: Dann feiert Holger Jüchter seinen 50. Geburtstag.
Gerne wäre Holger Zimmermann geworden, aber ein Zimmereimeister riet ihm davon ab. „Such’ Dir etwas anderes“, meinte er. Sein Vater arbeitete nach der Aufgabe der Landwirtschaft bei den Amazonen-Werken in Hude und vermittelte seinem Sohn dort einen Ausbildungsplatz zum Maschinenschlosser. Da er nicht zur Bundeswehr musste, blieb er in seinem Ausbildungsbetrieb.
34 Jahre später ist Holger Jüchter immer noch dort tätig. Aus dem Maschinenschlosser von einst ist heute der Verantwortliche in der Abteilung Logistik geworden. „Mir macht die Arbeit sehr viel Spaß, und ich möchte fast keines der vielen Jahre dort missen“, sagt er.
Seine ersten Erfahrungen mit dem Handballsport in Grüppenbühren machte Holger mit zwölf Jahren, allerdings zunächst nur kurz. Denn genauso interessant war für ihn der ortsansässige Schützenverein. Hier wurde er mit 18 Jahren als Jugendwart in den Vorstand gewählt. Heute ist er zwar nicht mehr im Vorstand aktiv, geht aber gerne zum Übungsschießen und natürlich zum jährlichen Schützenfest. Einmal Schützenkönig werden – dieser Wunsch hat sich bisher für ihn noch nicht erfüllt.
Bei einem Klönabend mit Freunden machte einer in der Runde Holger den Vorschlag, doch wieder mit den Handballspielen anzufangen. „Wir haben gespielt aus Spaß an der Freud’, in der untersten Spielklasse. Ab und zu haben wir auch Spiele gewonnen“, erinnert sich Holger. Im Februar 1999 erlitt er bei einem dieser Handballspiele einen Bänderriss, und seither hat er nicht wieder als Spieler auf dem Feld gestanden.
Nicht nur der Schützenverein erkannte sein organisatorisches Talent, sondern auch der TSV Grüppenbühren. Neben seiner Tätigkeit als Jugendwart trainierte Holger Jüchter noch eine Mädchenmannschaft. „So schlecht kann ich nicht gewesen sein, denn einige von den Damen spielen jetzt in unserer ersten Mannschaft in der Oberliga.“
Maßgeblich war Holger Jüchter am Zustandekommen der Handballspielgemeinschaft des TSV Grüppenbühren mit dem Bookholzberger TB beteiligt. Mit der Gründung 2003 wurde Holger 2. Vorsitzender, drei Jahre später rückte er zum 1. Vorsitzenden auf. Daran hat sich bis heute nichts geändert.
„Wir sind im Vorstand ein tolles Team, ohne meine Kollegen würde es nicht gehen!“ Immerhin spielt die erste Damenmannschaft in der Oberliga, ebenso wie die C-Jugend. Die erste Herrenmannschaft und auch die B-Jugend spielen in der Landesliga.
Zum Vorstand gehört auch Holgers Ehefrau Claudia, die ihn in seiner ehrenamtlichen Tätigkeit voll unterstützt. Kennengelernt haben sich die beiden 1993 beim Bundesschützenfest in Falkenburg in der Sektbar. Gesprächsstoff gab es gleich genug, denn Claudia Siemer war nicht nur eine aktive Schützin in Ganderkesee, sondern auch Schiedsrichterin beim Handball. 1997 wurde geheiratet. Im Januar 1999 wurde Sohn Carsten geboren, und im Dezember desselben Jahres kam Sohn Torsten gleich hinterher. Beide Söhne sind natürlich Handballer.
Handball wird im Hause Jüchter gelebt. Ein Highlight ist immer die Fahrt der Handball-Jugend nach Spanien, wo in der Nähe von Barcelona ein internationales Turnier stattfindet. Die Idee hatten Claudia und Holger Jüchter. In den vergangenen 20 Jahren gab es zehn Fahrten dorthin, die von beiden organisiert wurden. Rund 50 Jugendliche sind bei jeder Fahrt dabei. Vom Antrag auf Schulbefreiung bis zur Verpflegung für die Hin- und Rückfahrt muss alles erledigt werden. Unter anderem auch für diese ehrenamtliche Leistung wurden Claudia und Holger Jüchter vor einigen Wochen mit dem Ehrenamtspreis „Wir in Ganderkesee“ ausgezeichnet.
„Was macht Familie Jüchter, wenn es einmal nicht um Handball geht?“, war meine letzte Frage. „Wir gehen gerne einmal in ein Musical oder demnächst sind wir in Hamburg beim Konzert von Helene Fischer.“
Holger Jüchter, Vorsitzender der HSG Grüppenbühren/Bookholzberg
