Wilhelmshaven/Aurich - Einen verdienten 31:28 (14:13) hat Handball-Drittligist Wilhelmshavener HV am Freitag Abend beim OHV Aurich gefeiert. Doch es wäre kein richtiges Derby vor der prächtigen Kulisse von knapp 2000 stimmgewaltigen und lauten Fans gewesen, wenn es am Ende nicht noch einmal richtig spannend geworden wäre.

Mit 30:24 lag der WHV vorne, als ein Aufsetzer von Matej Kozul, der im zweiten Durchgang als Spielmacher den weitgehend wirkungslosen Jonas Schweigart ablöste, sechs Minuten vor dem Ende den Weg vorbei an OHV-Torhüter Marten Jungvogel ins Auricher Tor fand. Die ersten Derbysieger-Überlegungen dürften da bereits die mitgereisten Fans angestellt haben, doch dann bröckelte die Führung, weil beim WHV im Angriff nichts mehr ging. Das Tempo fehlte, gute Wurfpositionen konnte sich das Team gegen eine offensiver ausgerichtete OHV-Abwehr nicht mehr erarbeiten. Ein Verlegenheitswurf des sonst insbesondere in direkten Duellen starken Ignacy Bak, dazu eine Zeitstrafe gegen Sergi Ala Sanchez - diese Vorlagen nutzten die Gastgeber, um sich beim WHV und den Fans noch einmal nachhaltig in Erinnerung zu rufen.

Der ganze OHV Aurich - das wäre allerdings falsch. Denn ausgerechnet zwei Wilhelmshavener machten es noch einmal spannend: Evgeny Vorontsov, am Ende mit 10/1 Treffern bester OHV-Torschütze, erzielte das 26:30, 27:30 und 28:30 (59.), der ebenfalls auffällige Jonas Wark (8 Tore) hatte auf schnellen Beinen für den Auftakt der Aufholjagd gesorgt (25:30/54.).

Exakt 66 Sekunden vor Schluss bat WHV-Trainer Christian Köhrmann deshalb zur Auszeit. Rene Drechsler gab dabei Tobias Schwolow - löste den guten Sven Eberlein ab - noch ein paar Hinweise mit auf dem Weg. Das reichte aber nur zu einem Pfostentreffer. Weil der Abpraller aber bei Corvin Troschke landete, blieb der Ball in WHV-Besitz. Der Rest war eine Sache für den Routinier: Matej Kozul würgte einen abgefälschten Ball irgendwie über die Linie - und dann konnten Mannschaft und WHV-Fans den Derbysieg feiern.

Echtes Kopfkino hatte es beim Siegtorschützen dabei in der Schlussphase nicht gegeben, nachdem der WHV im Hinspiel eine 17:11-Führung noch aus der Hand gegeben hatte. „Diesmal war ich mir sicher, dass wir das Spiel nach Hause bringen. In den letzten sechs Minuten haben wir aber wohl ein bisschen zu viel nachgedacht und uns zu wenig bewegt. Verdient war der Sieg aber auf jeden Fall.“

Da mochte auch Evgeny Vorontsov nicht widersprechen. „Es war lange ein Spiel auf Augenhöhe, aber der WHV war cleverer im Angriff - und hatte ein paar Paraden mehr im Tor.“

Ein gutes Stichwort: Levin Stasch machte im Derby ein starkes Spiel. 14 Paraden konnten am Ende für den WHV-Torwart notiert werden, der sich insbesondere auf die Würfe von Kevin Wendlandt eingestellt hatte. „Das Privatduell habe ich wohl gewonnen“, freute sich Stasch, der keine übermäßige Derbyvorbereitung bestritten hatte. „Dafür kennen sich beide Mannschaften zu gut. Da verlasse ich mich lieber auf mein Gefühl.“ Und wohl dem, der einen Kollegen hat, der zwar die ganze Woche fieberbedingt nicht trainieren konnte, dann aber bei zwei Siebenmetern zur Stelle ist. Jakub Lefan blieb beim Versuch von Josip Crnic einfach stehen und hatte damit beim Stand von 13:12 für den WHV Erfolg. Und zehn Minuten nach der Pause, der WHV führte 20:18, reichte die Präsenz Lefans schon, um Petar Puljic so zu entnerven, dass er das Leder vom Siebenmeterpunkt neben das Tor warf.

Martin Münzberger
Martin Münzberger Sportredaktion, Jeversches Wochenblatt, Wilhelmshavener Zeitung