Jever/Wilhelmshaven - Es ist Derbyzeit in der Handball-Landesliga. An diesem Samstag empfängt die HG Jever/Schortens den Wilhelmshavener SSV. Dass alles Spieler heiß sind auf das Duell, steht außer Frage. HG-Trainer Enno Bruhnken dämpft vor dem Anpfiff um 18 Uhr in der Sporthalle an der Jahnstraße aber allzu überbordende Erwartungen: „Wir wollen die Kirche im Dorf lassen. Da kommt der Tabellenzweite“, sagt er.
Und nicht nur das. Der Wilhelmshavener SSV verfügt über den torhungrigsten Angriff der Liga. Da kommt selbst der verlustpunktfreie Tabellenerste HSG Grüppenbühren/Bookholzberg nicht mit. Schon das Hinspiel geriet zu einer klaren Angelegenheit für die Jadestädter. Seitdem haben sich die Rahmenbedingungen allerdings gewandelt. Dominic Schwarzenberger und Jan Iken wechselten im Winter von der HG zum WSSV. Die HG hat ein neues Trainerteam. Und jetzt, im Rückspiel, müssen die Wilhelmshavener ohne das geliebte „Harz“ an der Hand antreten. Ein Vorteil für die Hausherren? Nicht unbedingt. Denn, dass man auch ohne Haftmittel die Jahnhölle einnehmen kann, haben in dieser Saison schon einige Mannschaften gezeigt. Was also spricht für die HG?
Sicherlich die zuletzt überzeugenden Ergebnisse. Zwei Siege, dazu eine überraschend knappe Niederlage beim Ligaprimus fuhr das Team in den vergangenen drei Spielen ein. „Das Selbstbewusstsein ist deutlich gestiegen. Die Jungs vertrauen den Sachen, die wir trainieren“, erzählt Enno Bruhnken. In dieser Woche dürfte vor allem das Rückzugsverhalten ein Thema im Kreis der Mannschaft gewesen sein. Denn der Wilhelmshavener SSV kommt über das Tempo und hier vor allem über Justin Herrmann. Er ist aktuell der stärkste Werfer der Landesliga, verzeichnet dabei allerdings einen Gutteil seiner Tore vom Siebenmeterpunkt. „Wir dürfen den Gegner nicht ins Rollen kommen lassen, sondern müssen ihn in das gebundene Spiel zwingen. Dann haben wir schon viel erreicht“, sagt Enno Bruhnken.
Den 37:27-Hinspielsieg seines Teams fand WSSV-Trainer Gerold Eden indes „etwas lieblos“. Er erwartet vom Derby ein deutliches Plus an Emotionen. „Dieses Spiel gehen wir, wie alle anderen auch, professionell an, wollen stabil in der Abwehr stehen und dann schnell nach vorne spielen.“ Dass sich der Gastgeber nach dem Einstieg des neuen Trainergespanns Enno Bruhnken/Jörg König deutlich stabilisiert hat, ist auch dem Tabellenzweiten nicht verborgen geblieben. „Da waren ein paar ganz ansehnliche Ergebnisse dabei. Ein Grund mehr, voll konzentriert zu sein“, sagt Eden.
Dass es gegen die homogene Wilhelmshavener Mannschaft schwer wird, ist Enno Bruhnken klar. Aber: „Es ist nicht unser Hauptaugenmerk den WSSV zu schlagen. Das bringt uns auch nicht weiter, wenn wir am Ende absteigen.“ Wichtiger seien die Spiele im Anschluss. Dann kommen Gegner aus dem unteren Drittel der Tabelle. Und gegen die ist jeder gewonnene Punkt ein Schritt Richtung Klassenerhalt.

