Neerstedt - Die im Sport gerne benutzte Floskel „Derbys haben ihre eigenen Gesetze“ sorgt nicht immer nur für eine Zwangszahlung ins Phrasenschwein. Sie passt eben häufig auch ideal – vor allem, wenn es um das Derby zwischen den Oberliga-Handballerinnen der HSG Hude/Falkenburg und des TV Neerstedt geht. Gerade in den vergangenen beiden Jahren konnte Neerstedt als Außenseiter den Favoriten aus Hude gewaltig ärgern. Beispiele: In der Saison 2021/22 triumphierte der TVN im Rückspiel bei der HSG mit 28:17 und sicherte sich damit wichtige Zähler für den Klassenerhalt. In der vergangenen Spielzeit gewannen die Grün-Weißen sogar beide Duelle gegen den Landkreisrivalen und entgingen damit erneut dem Abstieg.

Erst Derby, dann EM

Eine Stunde früher als ursprünglich geplant beginnt das Derby in der Handball-Oberliga der Frauen zwischen dem TV Neerstedt und der HSG Hude/Falkenburg. Anwurf an diesem Freitag ist somit schon um 19 Uhr. Grund für die Vorverlegung ist das Halbfinale bei der Handball-Europameisterschaft der Männer zwischen Deutschland und Dänemark. Dieses Spiel wird nach dem Oberliga-Derby auf einer Leinwand als „Public Viewing“ in der Neerstedter Halle übertragen.

In der Hinrunde der laufenden Saison standen die Neerstedterinnen im September schon wieder vor einer großen Überraschung, als sie in Hude lange Zeit vielversprechend in Führung lagen. Erst in der Schlussphase konnte die HSG das Blatt zu einem hauchzarten 26:25-Heimsieg wenden. Vor dem Rückspiel an diesem Freitag (19 Uhr) in der Neerstedter Schulsporthalle scheinen die Rollen erneut klar verteilt zu sein: Die Gäste, die zuletzt sieben Siege in Folge verbuchten, reisen als Tabellendritter an. Die Gastgeberinnen sind Schlusslicht.

Neerstedt stoppte seine Niederlagenserie vor einer Woche zwar mit dem Auswärtserfolg gegen Komet Arsten, bleibt aber klarer Underdog. „In der Hinrunde spielten wir überraschend lange Zeit auf Augenhöhe. Doch das Rückspiel wird unter ganz anderen Voraussetzungen stattfinden, denn Hude/Falkenburg hat seinen kompletten Kader beisammen und ist deshalb für mich klarer Favorit“, sagt TVN-Trainerin Cordula Schröder-Brockshus. Trotzdem hofft sie, dass ihr Team mit einer konzentrierten und geschlossenen Mannschaftsleistung dagegenhält. Denn der Tabellenletzte steht immer noch unter Zugzwang und will den Kontakt zu den Teams vor sich weiter verkürzen. Ein Überraschungssieg gegen den Nachbarn wäre dafür natürlich das richtige Mittel. Bis auf die langzeitverletzten Fenna van Dreumel und Celina Struß hofft Schröder-Brockshus auf den Einsatz aller Spielerinnen.

Derweil hat Bernd Spille derzeit einige Fragezeichen in seinem Kader. „Wir haben gefühlt eine richtige Krankheitswelle, dazu kommen auch noch einige angeschlagene Spielerinnen“, seufzt der HSG-Coach und verweist auf eine „nicht gerade optimale Vorbereitung“. Nichtsdestotrotz nimmt er die Favoritenrolle, verweist aber ebenso die „eigenen Gesetze“ der Derbys und betont: „Wir werden Neerstedt bestimmt nicht noch einmal unterschätzen!“

Michael Hiller
Michael Hiller Redaktion Wildeshausen (Lokalsport)